Weihnachtszauber

03.01.2020

REZENSION {unbezahlte Werbung}

Weihnachtszauber

Weihnachten dauert ja noch bis zum 6. Januar. Also passen meine Bemerkungen gerade noch so rein. Noch nie zuvor hat mich eine Weihnachtsanthologie vom 1. Advent an durch diese Zeit begleitet. Selbstverständlich steckt auch hier ein gewisser Druck durch die Backlist-Lesegruppe des Diogenes Verlags dahinter.

Insgesamt 20 Geschichten sind in dem Taschenbuch versammelt. Die Bandbreite der Autor*innen reicht von sehr alt (Emilia Pardon Bazán *1851) bis ziemlich jung (Benedict Wells *1984) - von sehr bekannt (Wolfgang Borchert) bis Geheimtipp (Laura de Weck). Diese Zusammenstellung ist wunderbar gelungen. Mich reizte sie dazu an, pro Tag jeweils eine der Geschichten zu lesen, in genau der Reihenfolge, wie sie auch abgedruckt sind.

Die Themen sind bunt. Es gibt (der Weihnachtszeit geschuldet) eine Ballung von Kutschen und Schlitten, Geschenken, Kindern und (niedlichen) Tieren. Darüber hinaus werden aber auch sehr traurige und nachdenkliche Geschichten erzählt, oftmals wohl verwoben mit persönlichem Erleben der Autor*innen. Sehr überraschend und mit aktuellem Bezug kommt sogar die EU in dem Band vor! Es gibt Spukiges und Geschichten, nach deren Lektüre man selbst auch ein besserer Mensch werden möchte (Gunnar Gunnarsson).

Meine beiden Favoritengeschichten stammen von Robert Stadlober und Sir Arthur Thomas Quillen Couch. Ersterer erinnert an Gram Parsons, den mit 26 Jahren viel zu jung verstorbenen (Mit-)Begründer des Country Rock, den vor allem seine Verbrennungsgeschichte unsterblich gemacht hat.

In "Das Weihnachtsgeschenk des Obersten Baigent" ist es eine gute Tat in der Jugend, die einem hochdekorierten aber sämtlicher Illusionen beraubten Soldaten doch noch ein schönes Weihnachtsfest beschert und ihn zum "Ritter ohne Furcht und Tadel" macht.

Wieder einmal nicht erreicht hat mich die Geschichte von Karl Ove Knausgard. Statt wie auf einem leckeren Stückchen Marzipan kaute ich auf ihr herum wie auf einem sehr alten Brötchen. Das macht aber nix.

Mein Fazit: Mit solchen Geschichten ist mehr Weihnachten, da braucht es kein Lametta.