Was nun, Circe? Fazit!

03.04.2020

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Männer sind Schweine


stellt Circe fest - als  sie auf ihrer Verbannungsinsel Aiaia von Seeleuten brutal vergewaltigt wird. Nun wird sie zur grausamen Hexe umschulen, die ankommende Seefahrer erst sättigt, um sie dann in den Schweinekoben zu leiten und ihrer Bestimmung zuzuführen.

Die Ausnahme macht sie erst, als die Argo am Ufer von Aiaia anlegt und Odysseus in ihren Dunstkreis tritt. Odysseus "die Spiralmuschel", wie sie ihn nennt, weil es bei ihm so viele Wendungen gibt, die sie gar nicht alle im Blickfeld haben kann.

Er arrangierte einen Satz wie Teller auf einem Tisch und dann wartete er ab, was man ihm darauf servieren würde.

Er macht ein bisschen gut an ihrer schlimmen Geschichte mit dem Seeungeheuer Scylla und Glaukos, mit ihrem Bruder Aietes, den sie kaum wiederkennt. Er lehrt sie, die Vergewaltigung zu überwinden und mit ihrer Rache umzugehen.

Aber auch Odysseus muss weiter - sein Schicksal erfüllen. Ihr bleibt der Sohn, den der kluge Seefahrer ihr gezeugt hat. Für Telegenos ist sie buchstäblich bereit, alles zu tun was in ihrer Hexenmacht steht.

Das Leben als vor Angst um ihr Kind überforderte Alleinerziehende birgt eigentlich die schönsten Passagen im Roman, der mir zunächst sehr gut gefallen hat. Als Schülerin eines neusprachlichen Gymnasiums habe ich schwere Lücken, was das Wissen um Griechische Götter - um Olympier und Titanen angeht. Und Romane darüber zu lesen, ist eine sehr angenehme Art des Lernens.

Leider muss ich aber sagen, dass nach sehr starkem Auftakt "Ich bin Circe" doch Längen aufweist. Zwischen Odysseus und dem Leben mit dem Sohn Telegenos, habe ich bis zu den interessanten Schlussszenen mit dem jungen Geliebten Telemachos und dem Vater Helios, wo der Roman wieder an Fahrt aufnimmt, doch großzügig weitergeblättert. 

Die Geschichte ist eigentlich auserzählt, als der Sohn seinem Vater hinterher reist. Die Schilderungen der Person der Circe werden in weiten Teilen nun eher oberflächlich - und auch die Sprache des Romans konnte mich im letzten Drittel nicht mehr überzeugend becircen.

Leseempfehlung ja - aber mit Einschränkungen.