Von Staatsverweigerern und Paramilitärs

05.03.2020

Werbung | *REZENSIONSEXEMPLAR* | unbezahlt | unaufgefordert


Der Roman macht traurig. Er trifft ins Herz, gerade wegen der Sachlichkeit, mit der alles abgewogen, hinterfragt und dann erst hervorgebracht wird.

Wo ist der Ausweg für eine katholische 18jährige in einem tödlichen Kampf von "Verweigerern", "Paramilitärs", "Spitzenagenten" - allesamt "Helden" und "Ehrenmänner"?

Wie rettet man sich vor Religionen, die als "Ulster Volunteers Force" und "Irish Republican Army" ihr Unwesen treiben? Und geht es überhaupt um Religion? Um den Papst? Die Stellung der Jungfrau Maria? Das Verständnis des Abendmahls? Bei über 3.000 Toten?

Wo ist da der Platz? An der Seite von "Vielleicht-Freund" mit seiner übermäßigen Autoliebe - im Land der Autobomben?

 Ein Platz als Groupie an der Seite eines "Paramilitärs"? Nein, denn

Das sind Mädchen und Frauen, die weder mit dem Kopf noch mit dem Herzen einen moralischen Konflikt zu erfassen in der Lage waren.

Sie waren nicht nur nicht wie wie ich, sondern, davon war ich überzeugt, weit unter meinem Niveau.

Es gab und gibt ein Problem mit den "Widersprüchlichkeiten des Lebens".

Schon das Angucken eines James Bond-Films konnte als verräterischer

Mangel an Unterstützung für den achthundertjährigen Kampf und als Verbrüderung mit Cromwell, Elisabeth I., den Eroberern von 1172 und Heinrich VIII. aufgefasst werden (...).

Die Ich-Erzählerin mit dem Vornamen, den außer der Familie nur der Milchmann kennt, rechnet die Geschichte sogar noch viel weiter zurück, als es der Bayerische Rundfunk auf seinem Zeitstrahl tut:

https://www.br.de/themen/religion/nordirland-konflikt-ira-120.html

Vielleicht fände die junge Frau einen Platz in der Friedensbewegung? Gab es das denn nicht?

Eine Friedensbewegung gab es. Betty Williams und Mairead Corrigan Maguire haben für ihren Weg COMMUNITY OF PEACE PEOPLE  im Jahr 1976 sogar den Friedensnobelpreis verliehen bekommen. Wie kam es dazu?

Am 10. August 1976 wurde in Belfast ein vor der britischen Armee fliehender junger IRA-Terrorist in seinem Auto erschossen. Das nun führerlose Fahrzeug erfasste eine Gruppe von Spaziergängern: drei tote Kinder, ihre Mutter schwerstverletzt.

Wer hatte nun Schuld? Der britische Soldat? Der IRA-Terrorist? Die Frage konnte nicht beantwortet werden. Und auf einmal hatten alle genug von der Gewalt und dem Töten.

Dann gab es erst einen großen Demo-Zug mit 10.000 Teilnehmer*innen. Die Peace-Rallye fand statt in Nord-Irland. Demonstrationen gab es - bis nach London. Joan Baez sang.

Und das Interesse am Frieden versandete wieder.

Das Leben hier, sagte Echter Milchmann, musste einfach in Extremen gelebt und gestorben werden.

Was also tun?

Also Mund halten, alte Bücher kaufen, alte Bücher lesen, Schriftrollen und Tontafeln ernsthaft in Betracht ziehen. So war ich mit achtzehn. Und Vielleicht-Freund war genauso.