Von Krise zu Krise

13.03.2020

Während der aktuellen Krise, die anders ist als alles was wir kennen, kann es ja hilfreich sein, mal in die Vergangenheit zu schauen, wie da mit Krisen umgegangen wurde. 

Kristin und ihre Familie sind in so einer Krise. Im Großen und im Kleinen. Im Großen ist es eine Missernte, auf die ein zu langer und zu kalter Winter folgte. In der Zeit vor Ostern ist es immer noch bitterkalt im Gudbrandstal.

Im Kleinen ist es so, dass die Mutter die Tochter glücklich sehen möchte mit einem Mann, den sie sich ausgesucht hat und den sie liebt. Auch wenn der finanziell nicht sehr gut da steht, auch wenn sein Ansehen mächtig gelitten hat. Um das zu untermauern,  bemüht sie einen Vergleich, holt gegen Lavrans die große Ehekeule raus: 

In Schweden gehört dein Geschlecht mit zu den besten, dein Großvater und dein Vater trugen den Ritternamen hier im Lande. 

Meine Vorfahren waren Lehnsherren, viele hundert Jahre lang , vom Vater auf den Sohn (...) mein Vater und mein Großvater waren Landvögte. 

Zwar habt ihr (...) weder Standesnamen noch Land von der Krone erhalten. Da aber dünkt mich, man könnte sagen, es stehe mit Erlend Nikulaussohn nicht anders als mit euch.

Heißt: Lieber Mann, du Ausländer, du bist nichts besser. Ihr habt selbst nichts gehabt in Schweden, nur euren Rittersnamen. Guck dagegen meine Familie an. Wir hatten Besitz! Von der Krone! Und wen hab ich geheiratet? Spiel dich nicht so auf.

Und als wenn das zum Erschüttern nicht ausreichen würde, weist sie ihn noch darauf hin, dass es ja gut möglich sein könnte, dass die Tochter schwanger ist.

Davon will er nichts hören, die Ehre der Tochter nicht angreifen lassen.

Und er bringt die Sprache auf die Ehefrau, die da vor ihm steht, auf ihre Krankheit und sagt ihr auf den Kopf zu, dass sie auch mal einen anderen lieber wollte als ihn. Und dass ihm diese Geschichte sehr wohl bestens bekannt ist. Nun ist es an ihr, mächtig bleich zu werden.

Das Ganze endet im Patt. Er ist sehr erregt in dieser Sache und hätte nun gerne Sex mit seiner Ehefrau.  Aber sie erinnert ihn daran, dass Fastenzeit ist. Also die Zeit des Verzichts auf alle leiblichen Genüsse. Und das wurde ernst genommen, vor allem, wenn es zur Situation passte.

Kristin selbst schert sich gar nicht um diese Streitereien und ausgebliebenen Versöhnereien. Sie plant, mit Erlend durchzubrennen.

Behilflich soll ihr dabei die Frau Aashild sein. Und so kommt es. Das verhinderte Paar trifft sich dort auf dem Hof. Erlend erzählt seinen Plan: Durchbrennen. Vom Priester trauen lassen. Zurückkehren. Bußfertig tun vor Kristins Eltern - und alles ist wieder gut.

Kristin, wenn sie denn hinhören würde, wäre gewarnt. Leider macht Liebe blind und taub. Denn es werden Sachen gesagt wie 

Es herrscht niemals Überfluss auf Husaby - weder in guten noch in schlechten Jahren

Sie könnte auch hören, was die Frau Aashild zu Erlend sagt:

Sie ist es, die bei diesem Abenteuer alles auf's Spiel setzt, du wagst nicht viel.

Und dann entsprechend tantig hinzufügt:

Kaum hast du deine Sachen in Ordnung, treibst du es wieder so, daß du mit einer Frau von allem davon laufen musst.

Und Erlend gibt sich extrem witzig:

Es ist von je her so gewesen, daß es nicht die schlechtesten Männer waren, die sich um einer Frau willen in Ungunst brachten - so berichten alle Sagas.

Plötzlich klopft es an der Tür - und da steht sie auch schon im Raum, die Saga.

In Gestalt ist sie da von Eline Ormstochter. Und da steht Erlend im Raum mit gleich zwei Bräuten. Der häßliche, alte Mann hat nun das Zeitliche gesegnet und Eline, die  zu allem Überfluss auch noch schwanger ist, möchte dringend geheiratet werden.

Wie wurden im Mittelalter solche Patts gelöst? Klar, mit Gift. Eline versucht, Kristin zu vergiften. Das fällt aber auf - und Eline greift sich Erlends Dolch ersticht sich samt Kind im Leib auf der Stelle.

Leider sind da die jungen Leute gerade unter sich, es gibt keine Zeugen. Weder für Mord noch für Selbstmord.

Nun stehen sie da:

Die Aashild, die ja ohnehin als Giftmörderin gebrandmarkt ist. Die weggelaufene Kristin. Der unstete Erlend. Und sie müssen die Leiche loswerden. Mitten im Winter, der Boden tief gefroren.

Und, das ist allen wichtig:

Sie soll in geweihte Erde kommen, sagte Erlend, und wenn es mich Husaby kosten sollte. Was sagst du Kristin?  Kristin nickte.

Das wars dann erstmal mit dem Durchbrennen. Die Leiche kommt auf den Schlitten.

Dann aber fuhren die Männer in den Schatten einer Anhöhe hinein und verschwanden ganz.