Von der Ungerechtigkeit und dem Betrug

17.01.2020

Es stimmt wohl, dass die Majorin die Kavaliere wie ihre eigenen Söhne aufgenommen hat. Im Elend hat sie ihnen ein Dach über dem Kopf gewährt. Und doch ist der Rang der Kavaliere in der Gesellschaft festgelegt. Zum Weihnachtsfest hat sie geladen:

Am Weihnachtsfest gibt die Majorin Samzelius ein großes Festmahl auf Ekeby. Dann sitzt sie als Wirtin an einem für fünfzig Gäste gedeckten Tisch. Sie sitzt dort in Glanz und Herrlichkeit (...).

Die Kavaliere sind auch anwesend, sitzen aber am Katzentisch.

Zu ihnen gelangen die Speisen spät, der Wein wird nur spärlich eingeschenkt, die schönen Frauen werfen ihnen keine Blicke zu (...)

Die Laune der Kavaliere sinkt in den Keller, besonders als am großen Tisch das Fleisch gereicht wird: Haselhühner.

Einer der Kavaliere fängt an zu sticheln. Das bisschen gute Fleisch da, kann ja kaum für alle reichen.

Hauptmann Bergh (der mit der guten Idee, den Bischof im Wagen mal so richtig durchzuschütteln), setzt noch einen drauf:

Sie können nicht reichen, sagt er. Ich weiß, wie viele da waren. Aber man hat sich zu helfen gewusst, für den kleinen Tisch hier sind Krähen gebraten worden.

Gösta sieht aus, als möchte er am liebsten jemanden totschlagen.

Dann gelangt endlich eine hochgetürmte Schüssel mit prächtigen Haselhühnern an den Tisch.

Und die große Stunde von Hauptmann Bergh ist gekommen. So dumm, so stark er ist, weiß er doch, dass er Krähen immer gehasst hat. Er steigert sich richtig rein in die Sache:

Zum Teufel! Schreit er, dass es im Saale widerhallt, wer wagt es Christian Bergh Krähen anzubieten (...) und wie er die hilflosen Krähenjungen gegen die Klippen zu schleudern pflegte, so lässt er jetzt die Haselhühner an die Wand sausen.

Soße und Fett spritzen umher, die zerschmetterten Vögel fallen zu Boden. Die Kavaliere jubeln.

Die Majorin herrscht sie an, ihn rauszuwerfen. Aber niemand rührt sich gegen diesen Berg(h) von einem Mann.

Und der ist jetzt erst richtig in Rage. Und der weiß was zu erzählen:

Glaubst du, ich wüsste nicht, wie du zu deinen sieben Gütern gekommen bist?

Als Altringer starb, gab er sie deinem Mann, weil du seine Liebste gewesen bist.

Weil du eine so treue Gattin gewesen bist (...) und der Major nahm die sieben Güter, überließ dir die Verwaltung und tat, als wüsste er von nichts. All dieses hatte der Teufel angezettelt, aber jetzt ist der Tag der Abrechnung gekommen. Jetzt ist es aus mit dir!

In der allgemeinen Verwirrung steht nun der Major auf. Dass seine Frau ihn betrogen hatte, davon wusste er nichts.

Die breiten, behaarten Hände des Majors ballen sich langsam, er erhebt den Arm.

Aber die Majorin spricht, nein schreit:

Du hast mich gestohlen, ruft sie aus. Du kamst wie ein Räuber und nahmst mich in Besitz. Daheim zwang man mich mit Hieben und Schlägen, mit Hunger und Scheltworten, dein Weib zu werden. Ich habe an dir gehandelt, wie du es verdientest!

... eine zur Ehe gezwungene Gattin schafft sich einen Geliebten an. (...) Hast du vergessen, wie er uns in unserer Armut half? Wir fuhren in seinem Wagen, wir tranken seinen Wein. (...) füllte sein Gold nicht deine Taschen?

Aber es hilft nichts, der Gatte wird sie rauswerfen aus dem Haus, von den sieben Gütern. Niemand wird für sie ein gutes Wort einlegen. Kein Gösta Berling, kein anderer Kavalier. Als Bettlerin muss sie nun durch die Gegend ziehen. Und keine Majorin wird ihr ein Dach über dem Kopf bieten.