Von den Disputen zum brennenden Talmud

09.01.2020



Zeit: Sommer 1756

Ort: Bischofssitz in Kamieniec


Es geschehen noch viel mehr merkwürdige Dinge in diesem Sommer.

Bei Bischof Dembowski finden konspirative Sitzungen und auf Verlangen der Rechtgläubigen auch Disputationen statt:

Ruft einige Hundert kluge Rabbiner und Bischöfe zusammen, auch Herren sollen kommen und die besten Gelehrten.

Der Bischof kann das ganze Geschehen um ihn herum selbst kaum glauben:

Er hätte nicht gedacht, dass eine solche Lawine losgeht, wenn in irgendeinem Krähenwinkel an der Grenze eine nackte Frau geküsst wird.

Jakob Frank heißt inzwischen übrigens Achmed Frenk und ist Inhaber eines türkischen Passes. Er befindet sich mitnichten in der Türkei. Inkognito ist er in Rohatyn untergetaucht. Seine Anhänger sind begeistert:

Es war richtig, dass du dich davongemacht hast. Wenn wir mit den Bischöfen einig sind, kehrst du zurück wie ein König.

Das ist immer noch wovon sie träumen, die polnischen Juden. Schließlich ist auch der Talmud auf ihrer Seite. Steht doch dort geschrieben:

Ein Mensch, der nicht ein Stück Land sein Eigen nennt ist eigentlich kein Mensch.

Und die Überraschung nimmt ihren Lauf. Die nach den Mose-Gesetzen lebenden polnischen Juden und ihre Rabbiner verlieren die Disputationen haushoch. Die Rabbiner werden zu Strafzahlungen verurteilt, um die zu entschädigen, die bei den Handgreiflichkeiten geschlagen und beraubt wurden.

Daraufhin geht der Talmud in Flammen auf.

Trotzdem ist das alles noch die Ruhe vor dem Sturm. Erst das kommende Jahr 1757 wird für viele als das Jahr des Jüngsten Gerichts gelten. Und das nicht nur, weil der 7jährige Krieg beginnt, sondern vor allem, weil jetzt nicht mehr nur der Talmud, sondern  alle Bücher brennen.  Weil Dembowski zwar zum Erzbischof erhoben wird - aber ebenso plötzlich wie unerwartet stirbt.