Vom Plagiatsvorwurf zum Danilowicz-Palais

07.01.2020


Zeit: Immer noch 1756

Ort: Immer noch der Bischofssitz in Kamieniec

Bischof Dembowski hat nun zu allem Überfluss auch noch einen weiteren Bittsteller direkt zu empfangen. Pater Chmielowski ( der Mann mit der Enzyklopädie!) ist, kaum dass er die vierte Auflage in Händen hält, des Plagiats beschuldigt und erwartet sich Hilfe von seiner Mutter Kirche, am besten in klingender Münze. Schließlich ist es um das Buch in der polnischen Republik schlecht bestellt. 600.000 adelige Köpfe, aber nur 300 erscheinende Buchtitel im Jahr. Wie soll der Adel so  das Denken lernen? Dazu die Bauern, die nicht lesen, und die Juden, die kein Latein können. Darüber hinaus hat er selbst  noch nichts an dem Werk verdient. Im Gegenteil, sein Vermögen ist für die Druckkosten bei den Jesuiten draufgegangen.

Doch dem Bischof, der das Schöne und Teure liebt, ist er für eine wie auch immer geartete Unterstützung zu verlottert gekleidet

zu schludrig für einen guten Schriftsteller, nach einem Weisen jedenfalls sieht er dem Bischof nicht aus

Außerdem, wenn es um Unterstützung geht, dann für die und nicht von der Kirche. Und in die andere Sache mischt er sich auch nicht ein.

Ihr lebt von der Feder, Vater, also verteidigt euch auch mit der Feder.

Ein gutes Wort will er bei den Jesuiten einlegen, damit wird der Pater samt seines "Neuen Athen" entlassen.

Übrig bleiben dem Chmielowski für den Augenblick nur seine Träume.

Davon, wie alle sein Werk lesen:

Auch die Frauen sollten nach getaner Arbeit zur Lektüre sich niedersetzen, für Kinder wäre sie sogar geeignet ... Nun, wenn auch keinesfalls alle Seiten.

Und der von einem baldigen Besuch des Danilowicz-Palais. Dort wo die Brüder Zaluski im Jahr 1747 eine öffentliche Bibliothek mit tausenden Bänden eröffnet hatten. Er kann sich noch etwas Zeit lassen, erst im 1795 wird diese Bibliothek von Katharina II. beschlagnahmt werden.

Und natürlich das Wissen darum, dass er selbst genau gearbeitet hat.  Gesammelt, nicht plagiert. Den Rest müssen die Leserin, der Leser leisten. Denen sagt er ja, wie mit einer Wikipedia, pardon, einer Enzyklopädie umgegangen werden muss:

Prüfe nach, werter Leser, dort und dort, nimm das Mutterbuch zur Hand und sieh, wie das Wissen sich verflicht und ineinanderschlingt seit Hunderten von Jahren.