Vom Halleyschen Kometen

23.01.2020

Für Wissensdurstige: Der Halleysche Komet ist benannt nach Edmund Halley (1656-1742), Professor der Astronomie zu Greenwich. Dieser hatte nach Anleitung durch Isaac Newton angefangen, Kometenbahnen zu berechnen. Vorher galten Kometen als Irrsterne und gaben Grund für allerlei Irrglauben. Halley hatte also berechnet, dass der Komet im Jahr 1759 wieder erscheinen würde und hatte das auch so veröffentlicht.

IV Das Buch des Kometen

Die Zeit: Winter 1758/Frühling 1759

Die Orte: die Welt, Iwanie, Warschau


Anno 1759, am 13. März, erschien ein Komet am Himmel (...). Viele Tage hängt der Schweifstern über der weiten, nassen Welt, verwirrt mit seinem hellen Strahlen die Ordnung des Himmels. Auf der ganzen Welt ist er zu sehen. Sogar in China.

Für die Menschen in Polen-Litauen, die nie etwas von Edmund Halley gehört, geschweige denn gelesen haben, besteht

Kein Zweifel, dies ist ein Zeichen, dass das Ende naht.

Für die Sabbataizwisten in Iwanie ist das sogar noch viel mehr:

Das ist das Zeichen der Sendung Jakobs und all jener, die mit ihm diesen schweren Weg beschreiten.

In diesen Tagen wird für alle in Iwanie deutlich, dass der Komet ein Loch im Firmament ist, durch das das göttliche Licht auf die Menschen fließt - durch dieses Loch betrachtet der Allmächtige die Erde.

Aber eigentlich sind nicht nur die Jakob-Jünger in Iwanie auf diese Art leichtgläubig.

Der Halleysche Komet war in Sachsen von einem Hobbyastronomen schon am 25. Dezember 1758 entdeckt worden. Da hat er dann wohl auch  schon angefangen, die Sinne des Erzbischofs in Warschau zu beeinflussen, sonst wäre der nachfolgende Dialog wohl gar nicht zustande gekommen.

Während Pikulski (der kluge Bernhardinerpater, der damals den Chmielowski wegen der Bücher zum alten Schor schickte) im Hinblick auf das Bittschreiben der Jakob-Leute mahnt:

Warum sind diese Kirchenhierarchen bloß so leichtgläubig? Es ist ihnen (den Sabbataizwisten) nicht gelungen, ihre Sekte im Rahmen ihrer eigenen jüdischen Religion als rechtmäßig zu erklären, nun versuchen sie einen neuen Betrug.

Der Primas der katholischen Kirche in Polen, Erzbischof  Lubienski, sagt:

Und was jene alten, auf der ganzen Welt bekannten Anschuldigungen betrifft, dass die Juden für ihr Matzenbrot Christenblut benötigen... (...) als spielte man mit eines Messers Schneide ohne Griff...

Moliwda-Kossakowski, Jakobs Mann in Warschau (!)  noch einwirft:

Sie selbst wollten es so. Ich denke, es soll zur Rache sein.

Beharrt der Erzbischof plötzlich darauf:

Aber wenn sie es selbst so sagen - etwas Wahres muss wohl dran sein.