Vom Bannfluch

08.01.2020


Zeit: Sommer 1756

Orte: Lemberg, Lanckorun

Jakob Frank, den die Rechtgläubigen auch viele wundersame Dinge haben tun sehen, hat sich, da die Türken seine Freilassung erwirkt hatten, unterdessen zu seinem Schutz wieder in die Türkei begeben.

Die unter dem mosaischen Gesetz stehenden Juden in Polen handeln. Sie machen sich nun noch mehr Sorgen um ihren Stand als sowieso schon immer. Hatte bis jetzt für sie gegolten (nach verschiedenen Maßgaben) etwa auf einer Höhe mit den Bauern zu stehen, wobei für diese galt

Tiefer als die Bauern stehen nur die Kriechtiere,

drohen jetzt die "Rechtgläubigen" ihre Situation zu verschlechtern:

Sie aber bohren, ohne das gemeinsame Wohl der Juden zu bedenken, ein Loch in unser Boot - als wären sie sich nicht bewusst, dass wir dann alle untergehen.

Also sprechen drei Richter den Bann aus über den selbsternannten Messias. In der Stadt Lemberg passiert das. In einer geheimnisvollen Zeremonie.

Wir verstoßen, verbannen und ächten Jankel Leibowitz, auch Jakob Frank genannt (...) mit den Worten sämtlicher im Buch des Gesetzes enthaltener Bannflüche.

Von Israel ist er damit ausgeschlossen, exkommuniziert.

Der Jakob, leicht angetrunken, merkt davon zunächst nichts. Außer dass ein paar Kerzen um ihn herum zu flackern beginnen.

Doch es gilt:

Jeder, auch der gewöhnlichste Fluch tut seine Wirkung, jedes gesprochene Wort.

Als ihn die Nachricht von seinem Bann erreicht, vollzieht er eine geheime Handlung. Dann lässt er Worte sprechen, die von ebensolcher Macht sind, wie der Bannfluch.

In Kamieniec fühlt sich der Bischof Dembowski etwas steif in seinem Körper.

Die problembelasteten Bittenden in Lanckorun ficht in diesem Sommer nichts von alldem an. Skandal hin, Skandal her. Sie pilgern scharenweise zur untoten Jenta, in deren Körper kein Blut mehr fließt.

Kühl ist die Haut, zart aber straff. Manchmal hat Pessele gar den Eindruck, sie knarre leicht - wie ein neuer Lederschuh, wie ein eben auf dem Markt erworbenes Pferdegeschirr.