Tana French: Der dunkle Garten

13.11.2019

REZENSION {unbeauftragte Werbung}

Tana French: Der dunkle Garten 
(Im Original: The Witch Elm, übersetzt aus dem Englischen von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel)

Ich bin schon lange ein Fan der irischen Autorin Tana French. Die Themen ihrer Krimis entstammen dem Alltag auf der Insel. Die Finanzkrise, das schlechte Gesundheitssystem, die relativ hohe Armutsrate, speziell in der Unterschicht, spielen nicht nur eine unterschwellige Rolle. Bei ihrer Kritik - auch an der teilweise unheilvollen Rolle der katholischen Kirche - nimmt sie kaum ein Blatt vor den Mund.

Im aktuellen Roman geht es um den 28jährigen Toby Hennessy, der in Dublin bisher sehr gut zurechtkam, nun aber befürchten muss, seinen Job zu verlieren. Zu allem Überfluss kommt dann noch der Tag, als er in seiner Wohnung fürchterlich zusammengeschlagen wird. Er überlebt nur knapp. Sein Gedächtnis leidet extrem. Auch gelingt es ihm nur ansatzweise, gegen das Trauma des Überfalls anzukämpfen.
Er hält es nicht gut aus in seiner Wohnung, und so kommt es ihm gelegen dass er die Möglichkeit erhält, kurzfristig zu seinem todkranken Onkel zu ziehen. Der wohnt in dem sogenannten Ivy-House, einem Ort der Kindheit und Jugend Tobys, die er dort mit Cousine und Cousin verbracht hat.
Allerdings treten auch dort neue Schwierigkeiten auf. Im dunklen Garten des Hauses macht Tobys Neffe eine grausliche Entdeckung.

Tana Frech macht es, wie früher Agatha Christie. Die unter Verdacht geratene Familie wird immer wieder in einem Raum, an einem Tisch oder im Garten versammelt. Es kommen Detectives vorbei, die einerseits den Überfall, andererseits den Todesfall untersuchen.
Der Roman wird aus der Sicht von Toby Hennessy erzählt, der zu den Vorfällen genauso viel bzw. wenig beitragen kann, wie die/der Leser*in, weil er eben mit seiner Amnesie kämpft.

Es ist ein klassischer Whodunit, doch wie die Frage nach den Tätern beantwortet wird, ist die hohe Kunst der Psychostudie.
Ich fand "Der dunkle Garten" sehr spannend, hab mich in meiner Wohnung nicht so sicher gefühlt wie sonst und hab in der Nacht länger gelesen, als es meiner Gesundheit zuträglich gewesen ist.

Ich empfehle den Roman allen, die nicht am kurzen, vorhersehbaren Thrill interessiert sind, sondern sich in Ruhe auf einen spannenden Roman einlassen können. Alle möglichen Lesepunkte von mir.