Simone Lappert: Der Sprung

24.09.2019

REZENSION {unbezahlte Werbung}

Simone Lappert: Der Sprung

In ihrem Zweitling "Der Sprung" versammelt die Schweizer Autorin Simone Lappert ihr Personal in wunderbar lyrisch-verknappten Kurzgeschichten - oder besser Mini-Romanen rund um eine, die "mal den Himmel ins Haus bringt". Die ihrer kleinen Stadt aufs Dach steigt. Die alle mal so richtig zusammenbrüllt und es damit sogar ins Fernsehen schafft. Sie will die Topfpflanzen von ihren Töpfen befreien, lernen wir, und die Kleinstädter von ihren Dächern? Sie mal ins Stadtpflanzenasyl schicken? Und dann mal in Ruhe nachgucken, was unter den Dächern so rumort?

Und da gibts was. Da hat sich im Lauf der Zeit soviel angestaut, dass Maren, Egon, Edna sogar Winnie und wie sie alle heißen, sich selbst letztlich gar nicht mehr wiedererkennen. Wie konnte es dazu kommen, Kinder zu betrügen? Den Kumpel dem Tod zu überlassen? Vom Vegetarier zum Fleischer umgepolt zu werden? Dass der sehnlichst herbeigearbeitete Lebenstraum von anderen so mit Füßen getreten wurde, dass man nie mehr drüber hinwegkommt? Kann es möglich sein, in der besten Feindin das verstörte Kind zu entdecken, das einfachste Hilfe benötigt? Gibt es Rettung? Dass man trotz allem genau so gut sein könnte, wie man halt ist?

In der badischen Kleinstadt passiert das den Leuten so, und aus den Miniromanen wird eine bessere Welt geflochten. Die Kneipenwirtin hat die Übersicht und für jede und jeden das richtige Wort. Wenigstens ein Teil der Staatsgewalt versteht was vom Leben und vom Tod. Die, die ihren persönlichen Roman eher und anders beenden wollten, als das vorgesehen war, scheitern zum Glück. Betrug ist keine Lösung mehr. Selbstbetrug schon gar nicht.

Nach dem Sprung müssen sich alle neu sortieren, das Leben geht weiter.
Deshalb bleibt die wichtigste Frage am Schluss für jede und jeden: Zu welcher Idylle hast du keinen Zugang? Und willst du das (überhaupt) ändern?

Dass die Autorin hierbei auch einen alten Hut benutzt, hab ich ihr schnell verziehen, ebenso ihre Fabulierlust, die manchmal doch hauchdünn am Klischeekitsch vorbeischrammt. Zu gut ist das Gesamtwerk gelungen.

Unbedingte Leseempfehlung! Erspart den Gang zum Psychotherapeuten.