Sie sagt... Er sagt...

08.03.2020

Ich kann dich nicht nach Husaby führen, Kristin.

Elina kam im Herbst dorthin (...) sie hat unsere beiden Kinder mit heimgebracht (...)

Aber es ist so arg wegen der Kinder. Ich hatte sie ein Jahr lang nicht gesehen - sie sind schön - und ich kann nur wenig tun, um ihre Zukunft sicher zu stellen.

Das klingt irgendwie nach verkehrter Welt: Ein wilder Ritter mit interessantem Sexualleben, aus hohem Haus, der sich an keine Konvention hält, der alles verspielt hat, hat nur einen einzigen echten Haltepunkt im Leben - und das sind - ob nun vorgeschoben oder nicht - seine Kinder.

Hier leuchtet sie auf, die besondere Welt der Literaturnobelpreisträgerin Sigrid Undset. Kinder verändern die Regeln in dem Spiel, das Erwachsene miteinander spielen.

Und so ganz anders wird Kristin beschrieben, die (noch)  keine Kinder hat. Sie hat auch Spaß am Liebesleben. Das Geheimnisvolle, das Verbotene reizt sie. Sie genießt es, von zwei Männern umworben zu werden. 

Sie wurde aus Gründen der Ehre vom Heimatort weggebracht  - aber siehe da - Ehre und Versprechungen und Ehrlichkeit bedeuten ihr jetzt fast nichts mehr. 

Sie schafft sich gemeinsam mit ihrem Liebhaber ein eigenes Liebesrecht vor Gott und den Menschen:

Wir haben uns mit den teuersten Schwüren aneinander gefesselt - und ich habe gehört, daß ein solches Treuegelöbnis uns vor Gott zusammen gibt und uns heiligt, ganz als hätten uns unsere Eltern zusammen gegeben.

Kristin hat es bis jetzt nicht für nötig befunden, die Eltern oder den Bräutigam zu informieren, dass sie sich an irgendwelche Versprechungen unter Eltern nicht mehr gebunden fühlt.

Und so kann  ihr Liebhaber die gesamte Verantwortung an der Misere  auch in ihre neuen deutschen Schuhe schieben:  Wo nichts Altes gelöst ist, kann Neues nicht verknotet werden. Und Kristin hatte sich in ihrer neuen Familie SEHR öffentlich bewegt:

( . . . ) sie könnten nicht und wollten nicht mit mir zu deinem Vater reiten, ehe dieser Handel zwischen dir und Simon Andressohn wieder gelöst wäre. Es hat es für uns nicht leichter gemacht, Kristin, dass du mit den Leuten von Dyfrin Weihnachten gefeiert hast.

Zum Glück hat sich die ganze Sache mit der Klosterfrau und dem Ritter  genügend weit herumgesprochen - und natürlich hat der Bräutigam am Weihnachtsfest sowieso gespürt, dass da was nicht stimmte mit seiner Braut. Und so stürmt er nun den kalten Kabuff, den Kristin und Erlend sich zum Liebesnest erkoren hatten.

Kristin haut ihm dann auch gleich ihren neuen Lieblingsgesetzesparagraphen um die Ohren:

Ich weiß, das Gesetz bestimmt, daß niemand eine Jungfrau gegen ihren Willen zur Ehe zwingen darf; sonst kann sie ihre Sache vor das Thing bringen (...).

Er hat sich mit diesen Rechtsfragen noch gar nicht beschäftigt.

Das Jahr ist ohnehin vorbei und Lavrans holt seine Tochter ab - noch ohne über den ganz genauen Sachverhalt Bescheid zu wissen. Er weiß nur, dass seine Tochter sich anderweitig liiert hat.

Und die erzählt ihm nichts von dem abgerissenen Ritter mit der weiteren Buhlschaft, die nur darauf wartet, dass ihr alter, hässlicher Mann das Zeitliche segnet, damit sie selbst den Erlend heiraten kann. 

Lavrans hat aber so seine Erfahrungen, ein sehr von Verantwortung geprägtes Weltbild und er kennt die Männer:

Ein Ding ist es Kristin, daß ich dich nicht dazu zwingen will, einen Mann zu nehmen, der dir widerstrebt - obwohl Gott und der heilige Olav wissen müssen, was du gegen den Mann haben kannst, dem ich dich anverlobt habe. Aber ein anderes Ding ist es, ob der, dem du dein Herz zugewandt hast, so ist, daß ich dich mit ihm vermählen kann. Jung bist du und wenig verständig - und seine Augen auf eine Jungfrau zu werfen, die verlobt ist, das pflegt ein rechtschaffener Mann nicht zu tun.

Bleibt jetzt nur noch zu fragen, was es mit dem Heiligen Olav auf sich hat, dem Lieblingsheiligen der Autorin.

Es geht bei ihm wohl um die besondere Legitimität eines göttlich sanktionierten Königsheils, was dynastischen Bestrebungen entgegenkam. Er ist damit ein echter norwegischer Nationalheiliger.

Das Grab Olavs wurde bald zur großen Pilgerstätte, von der bereits Adam von Bremen für die 70er Jahre des 11. Jh. berichtet.

Um 1030 schon begann die norwegische Kirche, die Olavsmessen zu feiern. In dieser Messe wurde auch das Leben und Sterben Olavs geschildert, sowie die Wunder, die auf ihn zurückgeführt wurden, erwähnt. Die Liturgie war stark von der englischen Tradition geprägt, die bereits weit in der Geschichte zurückging. 

Olav wurde so auch zum Vorbild für Knut den Heiligen in Dänemark und Erik den Heiligen in Schweden.

Seine Geschichte wird im Ökumenischen Heiligenlexikon erzählt:

https://www.heiligenlexikon.de/BiographienO/Olaf_von_Norwegen.html