Selma Lagerlöf | Gösta Berling

11.01.2020

Das wohl bekannteste Werk der Autorin ist  Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden. Wie es zu dem Roman kam und worum es geht beschreibt Sabine Krass auf ihrem Blog https://tausendléxi.de.

Hier im Blog soll es bis Ende des Monats vorrangig um den Roman Gösta Berling gehen, für den Selma Lagerlöf mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Er entstand aus einem Manuskript, mit dem sie bei einem Kurzgeschichtenwettbewerb den ersten Preis gewonnen hatte: 500 Kronen. Er wurde ein großer Erfolg. Allerdings nicht direkt nach Erscheinen im Jahr 1891, sondern erst nachdem die Übersetzung ins Dänische eine besonders freundliche Wertung durch einen wichtigen Kritiker erfahren hatte.

Im Jahr 2020 finde ich an Gösta Berling zunächst besonders spannend, dass er in den Zwanzigerjahren des 19. Jahrhunderts spielt. Wie sind die Menschen? Welche Probleme bewegen sie? Wie geht es den Frauen und Kindern? Welche Natur erleben sie? Wodurch werden sie bedroht? Was macht sie glücklich?

Das Original trägt den Titel Gösta Berlings Saga. Meine Ausgabe wurde übersetzt von Pauline Klaiber. Das Buch stammt aus dem Jahr 1948 und erschien in der Nymphenburger Verlagshandlung München.

Gösta Berling ist evangelischer Pfarrer mit einem Problem. Er ist Alkoholiker. Es ist Sonntagsgottesdienst und auf Wunsch der Gemeinde ist der Bischof anwesend, um zu überprüfen, ob Berling suspendiert werden muss. Berling ist sich dessen natürlich bewusst:

Sie wollen ihm den Talar abreißen, weil er betrunken in den Gottesdienst gekommen ist.

Ein abgesetzter Pfarrer. Gab es wohl auf der weiten Welt etwas Erbärmlicheres?


Berling sinnt über sich und seine Situation nach - und hält die Predigt seines Lebens. Bei der abschließenden Sitzung des Kirchenrats nach dem Gottesdienst gibt es keine Klagen. Einer der Kirchenältesten fasst die Stimmung in einem Satz zusammen:

Ich finde, dass wir einen guten Pfarrer haben.

Der Skandal ist abgesagt. Dennoch wird der unverheiratete junge Pastor Berling weitere Unglücke erleben. Weitere Skandale heraufbeschwören. In seiner Kirche wird er nicht bleiben.