Pompa funebris

12.01.2020


Zeit: 29. Januar 1758
Ort: Kamieniec


Erzbischof Dembowski hatte sich ein stilles Begräbnis gewünscht. Das entsprechende Papier allerdings wurde erst aufgefunden, als die gesamte Begräbniszeremonie schon durchgeplant und die Kleidungsfrage in den Stuben, Häusern, Palästen, Kirchen nach langem Hin und Her endlich beantwortet war.

Die ganze Situation war ja ohnehin schwierig genug. Hatte man den Tod Dembowskis bei der Eiseskälte des Winters auch länger verschweigen können als üblich,  musste er irgendwann doch unter die Erde.

Ungünstig hat der Bischof seinen Todeszeitpunkt gewählt (...).

Wenn es ein würdiges Begräbnis sein sollte, musste es vor Fasching und nach dem Weihnachtsfest stattfinden.

Verfügt wurde also:

Kein polnischer Bischof könne in aller Stille sterben,

also auch kein polnischer Bischof in aller Stille beerdigt werden.

Und so gab es Reden, Fahnen, Salven, Chöre. Das Kirchenschiff wurde in violett gehüllt. Unmengen von Kerzen und Fackeln wurden verteilt. Alles war teuer, das Geld lieh man sich bei den Juden.

Die Repräsentanten der drei katholischen Kirchen (römisch, uniert, armenisch) waren anwesend, der polnische Adel, staatliche Würdenträger, die Zünfte, das Militär und Menschen aus dem Volk. Die Feierlichkeiten dauerten bis in die Nacht.

Gut, dass der Frost bereits so lange anhält und der schwärzliche Leichnam des Bischofs Dembowski sich längst in ein gefrorenes Stück Fleisch verwandelt hat.