Peter Schneider: Club der Unentwegten

03.12.2019

REZENSION (unbeauftragte Werbung)

Peter Schneider: Club der Unentwegten

Die Bücher so mancher Autoren habe ich durchgehend mit erhobener Augenbraue gelesen: besonders häufig dabei war Martin Walser, manchmal Max Frisch.... Peter Schneider gehört jetzt auf jeden Fall auch dazu.

In dem Roman geht es um Roland. Dieser in Ehren ergraute Privatdozent der Berliner Kunstakademie mit Fellowship in New York, Witwer mit Scheidungserfahrung, wird der Leserin (dem Leser) vorgestellt als "Ein Talent für die Gattung letzte Worte". Trauerredner kann er also - aber nicht religiös denn "Nein, er würde nicht zu einem Glauben an ein Weiterleben übertreten, auch nicht vor dem letzten Seufzer". Ein Agnostiker also. Dass er so oft als Trauerredner auftreten muss, hat damit zu tun, dass in dem Roman der alternde Mann als stets vom Tod und sonstigen Unbillen bedrohte Existenz dargestellt wird. Rolands Nachbar - verunfallt als er ein Buch (Montaigne!) aus dem Regal nehmen wollte: nun sitzt er im Rollstuhl. Edgar, auch ein Nachbar, gestürzt. Paul, "den alle irgendwie geliebt, gehasst, bewundert, verdammt und doch wieder rehabilitiert haben: tot. Der Physiker Winfried: viel zu dünn.

Alle Herren im Roman haben aber noch ein viel größeres Problem als die Bedrohung durch das Alter und den Tod: Das ist die Bedrohung durch die Liebe. Oder - um es mit Casanova zu sagen -"Die Liebe ist eine Krankheit, die unheilbar ist, wenn sie einen im Alter ereilt."

Der Club, der dem Roman den Namen gegeben hat, besteht nur aus männlichen Helden, Stararchitekt, Starscheidungsanwalt, Starzahnarzt, alle eher 70 als 17, die einander von ihren erlebten Liebesschlappen berichten: Zu junge Frauen, zu teure Frauen, zu sportliche Frauen, zu alte Frauen, die der Sache mit den jungen Frauen im Weg stehen...

Das liest sich urkomisch, zumal es mit schier unglaublicher Ernsthaftigkeit diskutiert wird, genauso ernsthaft wie an anderer Stelle im Roman die Welt im Spannungsfeld der aktuellen Krisen, USA nach 9/11, Europa zerrissen durch Zuwanderungsfragen....

Leseempfehlung? Ja, aber denken Sie an die hochgezogene Augenbraue, vor allem, wenn Sie eine Frau sind.