Olav Audunssohn

17.03.2020

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Der Roman startet mit einem Rückblick auf das 12. Jahrhundert, um das Geschlecht der superreichen "Steinfinnssöhne" zu erklären:

Die Steinfinnssöhne waren die letzten Großen gewesen, die im Oberland Sklaven besessen haben, und sie nahmen auch weiterhin die Nachkommen der Freigewordenen als Dienstleute und Pachtbauern für ihre Güter an.

Die hatten also immer riesige Höfe in einer Gegend gehabt, die reiche Ernte versprach. Und sie  interessierten sich nur für die eigene Sippe und wenig für die politische Lage in Norwegen.

Im 13. Jahrhundert sieht dann vieles anders aus: Die Sklaverei ist abgeschafft. Und die Steinfinns haben sehr wohl angefangen, sich für Politik zu interessieren und mitzumischen.

So wird im Jahr 1261 der junge Steinfinn in das Königsgefolge von Haakon dem Ältereren entsandt. Diese Geschichte spielt also noch ein bisschen eher als Kristin Lavranstochter.

Dieser Haakon ist der letzte König der Bürgerkriegsperiode zwischen Birkebeinern und Baglern.

Birkebeiner war dabei sowohl der Name von Rebellen als auch der einer politischen Partei. Der witzige Name stammt aus der Propaganda der politischen Gegner. Weil die Rebellen zunächst eine  Niederlage erlitten hatten, mussten sie in die Wälder flüchten und hatten wegen der großen Kälte ihre Waden mit Birkenrinde umwickelt.

Das Bild zeigt  zwei Birkebeiner auf Skiern. Sie tragen Prinz Haakon sicher durch den Winter 1206.  Das Bild gilt als norwegische Ikone. Aus dem Prinzen wurde König Haakon IV. (der Alte),  dessen Regentschaft das Ende des Bürgerkrieges in Norwegen besiegelte.  Foto©: O. Væring Eftf. AS"Oslo/Norway www.ovaering.no.

Die Bagler bildeten dagegen eine kirchenpolitische Partei. Der Name bedeutet soviel wie Bischofsstab, wurde aber auch von den Gegnern erfunden und nur von ihnen benutzt.

Jung-Steinfinn kehrt zwei Jahre später wieder aus dem Bürgerkrieg zurück, da ist auch die Regentschaft des alten Königs zu Ende, und es nutzt ihm gar nichts, dass er sich sehr gut mit ihm verstanden hatte.

Steinfinn 

ausgestattet mit mehr Hochmut als mit Verstand

raubt sich eine Frau - er entnimmt sie dem Nonnenkloster, in dem auch Kristin Lavranstochter die Zeit verbringen wird, die ihre Ehre wieder herstellen soll.

Dummerweise ist diese Braut einem anderen versprochen, auch noch einem guten Freund des herrschenden jungen Königs Magnus VI., der mit  Ingebjörg Eriksdatter verheiratet war. Wir erinnern uns: Neue politische Ordnung und frommer Katholizismus.

Der Vater vom jungen Steinfinn ist nicht begeistert von der Sache. Sieht aber, dass er nichts daran ändern kann - und schenkt den beiden Liebenden einen etwas abgelegenen Hof, Frettastein. Dort leben die dann in wilder Ehe miteinander und bekommen auch eine Tochter.  Die junge Königin Ingebjörg sorgt dann angeblich persönlich dafür, dass der Vater der Braut irgendwann einwilligt und - quasi nachträglich -  eine große Hochzeit auf dem Königshof in Oslo stattfinden kann

Das Paar erweist sich aber als undankbar.  Die tun so, als wenn das alles die pure Selbstverständlichkeit wäre. Hochmut halt, der vor dem Fall kommt.

Denn es fällt ein Schatten auf die Ehe und Ingebjörg, der jungen Hausfrau, passiert, was auch der Mutter von Kristin Lavranstochter passieren wird: sie verliert alle Buben, die sie zur Welt bringt.

Da knickt  das Paar dann doch ein bisschen ein und verhält sich nun  ehrerbietiger gegen den großzügigen Brautvater - und tatsächlich: Sie bekommen zwei lebende und gesunde Söhne. Alles wird ganz toll.  Es gibt viel Grund für Übermut und Freude. Jahrelang.

Und keiner verschwendete auch nur einen Gedanken an den ursprünglichen Bräutigam. Der war acht Jahre im Ausland unterwegs gewesen - und hatte gar nichts davon mitgekriegt, dass seine Braut inzwischen neu vergeben worden war.

Seine äußere Beschreibung verheißt nichts Gutes:

Mattias war ein kleiner und häßlicher Mann, aber mutig, harten Sinnes und sehr reich.

Und keiner hatte eine Ahnung, wie er nun auf den extremen Treuebruch reagieren würde.

Mattias macht kurzen Prozess. Er bringt ein paar Leute mit, holt den Steinfinn aus dem Bett - nackt wie der schlief. Und bindet den nackten Mann am Tisch fest.

Und dann nimmt er nicht die erwartete Rache. Es folgt keine Vergewaltigung, kein Rückraub.  Er belässt es bei einer Ansprache:

 (...) und du Steinfinn, solltest dabei stehen, ein gefesselter Mann, der sein Weib nicht zu schützen vermag, wollte ich die nehmen, die für mich ausersehen war.

(...) ich scheue mich mehr, Gottes Gesetz zu verletzen, und achte mehr auf Ehre und Sitte, als du es tatst.

Dann haut er dem Steinfinn die Faust in den Magen, dass oben aus dem Kopf das Blut spritzt - und reitet davon.

Jetzt kommt erstmalig der Namensgeber des Romans ins Spiel: Olav Audunssohn. Der ist elf Jahre alt, Pflegesohn in der Familie - und schneidet mannhaft den Pflegevater vom Tisch los. Und wir erfahren, dass Olav und eine Tochter von Steinfinn, die Ingunn, bereits als Kinder miteinander verlobt worden waren.

Der Olav tröstet nun seine zukünftige Braut:

Verlaß dich darauf, daß dein Vater sich schon rächen wird. (...). Und ich werde mit dabei sein, denke ich.

Die Schande, der Ehrverlust - und das Gefühl, nun von der Gnade des gefoppten Bräutigams abhängig zu sein, führt dazu, dass der ehemals reiche Hof verlottert. Die Eheleute werden menschenscheu. Die Ingebjörg entwickelt eine Depression. Mattias begibt sich auf Pilgerfahrt. Die Leute rundum fangen an, Spottlieder zu singen auf den Steinfinn. Alles ganz schön schrecklich für den Anfang.