Natur? Sage? Gesellschaftskritik?

21.01.2020


Wenn es etwas in der Natur gibt, auf das die Menschen in den Geschichten in GÖSTA BERLING immer mit Angst reagieren, dann sind das Wölfe.

Nun ist es allerdings  so, dass einmal Wölfe von Gösta Berling abgewehrt werden - und zwar mit einem Buch. Spannenderweise mit einer (wertvollen) Ausgabe der CORINNE, dem Roman der Madame de Stael.

Dies ist die Geschichte eines Künstlerinnentums, gespickt mit Imagination, Inspiration, künstlerischer Kreativität, Lebensgenuss, Leidenschaft. Es ist eine Liebesgeschichte. Es geht um Kommunikation. Die Madame de Stael erschuf verkannte Heldinnen, die den Männern intellektuell überlegen waren, die aber an der gesellschaftlichen Situation und an den Konventionen der Zeit scheitern mussten. Das Buch stammt aus dem Jahr 1809.

Die Schilderungen der Gefahr durch die Wölfe in GÖSTA BERLING sind drastisch.

Die blitzenden Zähne verlangten danach, sich in weiches Menschenfleisch zu vergraben.

Dort hausten die Wölfe, die bei Nacht hervorkommen und die Schlitten der Bauern so lange verfolgen, bis die Frau ihnen das auf ihrem Schoße sitzende Kind vorwerfen muss, um ihr eigenes Leben und das ihres Mannes zu retten.

Als weitere gefährliche Tiere kommen auch Luchse, Uhus und besonders Bären vor.

Böse ist die Natur, von unsichtbaren Mächten beherrscht (...)

Und man bzw. frau erzählt darüber Geschichten

Und jedem steht es frei, sie zu glauben oder nicht zu glauben.

So wird der Bär, der "Waldkönig",  manchmal auch Dichter und Träumer. Aber er darf das nicht sein.

Ja, wenn nur jedermann danach fragen würde, wie der Waldkönig sich seine Welt einzurichten wünscht. Wenn nur nicht plötzlich eine Ladung Schrot durch die Zweige sauste, blutgierigen Mücken gleich in seine Haut eindränge.

Aber der Bär in den Geschichten in GÖSTA BERLING entstammt genauso auch der Sage um die Bären. Nämlich dort, wo er nur mit einer silbernen Kugel erlegt werden kann. Diese muss dann in einer weiteren spannenden Geschichte erstmal hergestellt werden. Und ist sie hergestellt, klappt das mit dem Erlegen dann doch nicht wie geplant.

Die Erzählerin berichtet auch über eine ganze Bärenfamilie und jemand

(...) denkt daran, dass auch sie ein Opfer des Hasses geworden ist, der als Fluch auf der Erde lastet.

Und dann im Kontrast gibt es wieder auf den ersten Blick ganz entzückende Tierbeobachtungen von Meisen, Bienen und einem Hund, die alle auf lustige Weise vermenschlicht werden.

 Aber der reiche Melchior Sinclaire (der die Frau schlug und die Tochter dem Erfrieren preisgab)

Lachte über die dummen Frauenzimmer in dem Bienenkorb (...)

Ich kann mich jetzt zur Hälfte des Romans nicht entscheiden, ob es hier wirklich um die Natur geht, ob es das Wiedergeben von alten Geschichten - oder ob das auch Kritik an der Selma Lagerlöf selbst umgebenden Gesellschaft ist.