Männer und Frauen sind gleichberechtigt

22.01.2020

*WERBUNG WEGEN REZENSIONSEXEMPLAR*


Im Jahr 2018 untersuchte eine Pilotstudie die Sichtbarkeit von Frauen in Medien und im Literaturbetrieb. Die Feuilletons wiesen bei dieser Untersuchung eine Schieflage auf: Zwei Drittel aller besprochenen Bücher sind von Männern, werden von Männern besprochen und diese Männer schreiben auch längere Texte als das weibliche Rezensenten tun.

Zu Beginn dieses Jahres wurden dann die Vorschauen der Verlage auf das Verhältnis von Autoren und Autorinnen abgeklopft, und auch hier zeigt sich ein bedrohliches Ungleichgewicht zu Ungunsten der Autorinnen. Nur wenige Verlage sind in dieser Hinsicht nicht verdächtig.

Jetzt wird laut diskutiert über #frauenzählen.

Zur Erinnerung: Wir schreiben das Jahr 2020!

Im Jahr 1894 schon beklagte sich Selma Lagerlöf bei ihrer Freundin Sophie in einem Brief über diese Ungerechtigkeiten:

(...) außerdem diese dummen Leute im Värmland, die ein Weihnachtsheft ausschließlich mit Värmlandsliteraten herausgeben möchten. Ich habe natürlich abgelehnt, und daraufhin schreiben sie, dass sie das Vorhaben abblasen müssen, wenn ich nicht mitwirke. Das ist doch verrückt, aber solchen Argumenten muss man schließlich nachgeben. Die Literaten der Värmlandstidningen, die das Unterfangen in Gang setzten, stecken dahinter. Diese Zeitung hat G.B.S. (Gösta Berlings Saga) schonungslos niedergemacht, und UNSICHTBARE BANDE meines Wissens gar nicht rezensiert. (...).

Ich bin entrüstet, denn ich liebe mein Land ungemein, aber erst so vollkommen vernachlässigt zu werden, um dann mit übertriebenem Lob bestochen zu werden! (...). Ich soll meinem Vaterland mit einer Erzählung dienen, obwohl sie einen ganzen Roman mit Missachtung straften.*

Viel hat sich nicht verändert.

* Aus: Selma Lagerlöf: Liebe Sophie Liebe Valborg. Eine Dreiecksgeschichte in Briefen. Herausgegeben und kommentiert von Holger Wolandt. Aus dem Schwedischen übersetzt von Lotta Rüegger und Holger Wolandt. Stuttgart, Verlag Urachhaus, 2016, S. 37.