Madeline Miller: Ich bin Circe

16.03.2020

Über die Autorin: Madeleine Miller, 1978 in Boston geboren, wuchs in New York und Philadelphia auf, studierte Altphilologie und unterrichtete in Cambridge Latein und Griechisch. Sie lebt mit Mann und zwei Kindern in der Nähe von Philadelphia, Pennsylvania.

Der Verlag sagt: In ihrem zweiten Roman "Ich bin Circe" erzählt sie Circes Geschichte aus Homers Odyssee noch einmal neu - als die einer weiblichen Selbstermächtigung.

Für mich passt der Roman gut in die Reihe meiner bisher im Blog vorgestellten Bücher über die Babylonischen Götter (Der Fuchs) und die Geschichte rund um Zeus und seine Familie (Orpheus).

Jetzt geht es um die Titanen.


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Das Buch ist 2019 bei der Julia Eisele Verlags GmbH, München, erschienen. Ich hab es über die Plattform NetGalley als Rezensionsexemplar kostenlos erhalten.

ISBN des Ebooks: 978-3-96161-0747


Circe ist ein echtes Sonnenkind. Ist sie doch die Tochter vom großen, mächtigen Helios. Das ist der, der mal der Koloss von Rhodos war - eines der sieben Weltwunder der Antike.

Foto: By G. de Jode - Universitätsbibliothek Salzburg, G 162 III (aus dem ehemaligen Wolf-Dietrich-Klebeband Städtebilder; alte Signatur: V.4.A.14); www.ubs.sbg.ac.at, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22869988

Das ist der mit dem goldenen Himmelswagen, der sich einen Spaß draus macht, eine Verspätung einzufahren. Damit es unten auf der Erde einen der vielen Astronomen trifft: Sonnenbahn falsch berechnet? Zack, fällt die Axt und spaltet den Himmelsforscher zwischen den Augen in zwei Teile.

Leider ist Circe nur eine Tochter, kein Sohn. Leider ist sie auch kein göttliches Prinzesschen, denn sie ist nur Tochter der Nebenfrau. Vielleicht ist sie in echt nicht mal eine der vielen Nymphen, wer weiß das schon.

Circe hat es mit den Menschen - ihre Stimme klingt jämmerlich menschlich, die gelben Augen können nichts, außer gucken. Aber das kann sie wohl. Denn Circe - das heißt Falke. Bloß dass sie ganz schön alleine dasteht  - im Reich der Titanen. 

Ihre Geschwister sind dreiste Mobber. Fiesigkeiten werfen sie ihr an den Kopf

Ihre Augen sind so gelb wie Pisse (...) Sie wird Falke gerufen, aber passender wäre Ziege (...).

Sie ist trotz allem ein mitleidsvolles Kind. Als einer der Onkel - Prometheus - schwer bestraft wird, weil er gegen den ausdrücklichen Befehl des Göttervaters Zeus verstieß, stellt sich  Helios  in dieser Frage auf die Seite des Zeus:

Prometheus hat sich von seiner törichten Liebe für die Sterblichen in die Irre führen lassen.

Stimmt, deswegen hat er den Menschen das Feuer geschenkt.

Da bringt sie dem bemitleidenswerten bestraften Gott Nektar zu trinken. Und fragt dann gleich das, was sie am allermeisten interessiert:

Würdest du mir einen Sterblichen beschreiben?

Das Einzige, was sie gemeinsam haben, lautet die Antwort, ist der Tod. Kein Gott versteht seine Bedeutung (...) Alles, wonach sie greifen, entgleitet ihren Fingern.

Daran hat das Nymphenkind nun zu knabbern. Ihre Neugierde versiegt nicht. Ist Circe doch selbst

Ein Nichts, ein Stein.

Und Prometheus hängt nun zur Warnung an einem Felsen im Kaukasus - und ein Adler reißt ihm jeden Tag zur Mittagszeit die Leber raus.

Es ist keine gute Idee, gegen Zeus' Regeln zu verstoßen. Es ist insgesamt keine gute Idee, sich mit den Olympiern anzulegen. Auch wenn man sie für Speichellecker hält.

Bild: Circe By Nicolas Régnier - Sotheby's Lot.37, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=78169064

Für Circe wird das Leben erst schöner, als sie noch einen Bruder bekommt, der Adler genannt wird: Aietes. Sie liebt ihn sehr. Er liebt sie sehr. Er ist eigenartig, er ist viel zu klug, er ist Philosoph. Und er ist der erklärte Erbe des Vaters, Mädchen-Nymphen können das nicht sein