Kurz erklärt: Enuma Elisch

20.02.2020

Schematische Darstellung der Zikkurat von Babylon - erbaut zu Ehren Maduks


Der Roman DER FUCHS verläuft offensichtlich auf drei Ebenen: Da ist der erwachsene Finn Schliemann mit seinen Leidensgenossen nach der  Katastrophe, da ist Finn Schliemann mit seinen Freunden und Unfreunden in der Kindheit - und da ist der babylonische Schöpfungsmythos Enuma Elisch, dessen Protagonisten anscheinend immer mal wieder in die Geschichte eingreifen. Möglicherweise sogar zerstörend. Ganz habe ich das bis zur Hälfte des Romans noch nicht verstanden.

Der Enuma Elisch ist ein babylonisches Gedicht, dessen Entstehungszeit umstritten ist. Die einen sagen, es ist aus einer Zeit etwa 100 vor Christus, die anderen sagen, es stammt aus der Zeit des babylonischen Herrschers Nebukadnezar I. (1125-1103 v. Chr.). 

Es enthält den sogenannten Weltentstehungsmythos, besteht aus etwa 1.000 Zeilen, die auf sieben Tafeln aufgeteilt sind. Es geht im Poem nicht nur um die Entstehung der Welt, sondern es ist auch die  Rechtfertigung der Vorherrschaft des ehemaligen Stadtgottes Marduk im babylonischen Pantheon.

Zuerst gibt es Apsu und Tiamat, Salzwasser und Süßwasser - noch nicht voneinander getrennt.

Aus den beiden entstehen wieder zwei:

Lachmu und Lachamu,  - fester Boden, der auf Apsu und Tiamat entsteht.

Aus denen entstehen auch wieder zwei:

Anschar und Kischar:

Die stehen für die Trennung von Himmel und Erde.

Ab dieser Götterebene ist es dann so, dass die Götter aktiv werden. Man möchte fast sagen hyperaktiv.

Denn die, die jetzt kommen, gehen ihren Eltern und Groß- und Urgroßeltern mächtig auf die Nerven. Die machen denen einfach zu viel Krach.

Deshalb fasst Apsu den Plan, den hyperaktiven Götternachwuchs wieder auszulöschen.

Das gefällt Tiamat gar nicht "Warum sollten wir das zerstören, was wir erschaffen haben"?

Jetzt gibt es  unter den Hyperaktiven einen, der besonders listig ist: Das ist Ea. Der dreht einfach den Spieß um - tötet Apsu und richtet in ihm seine Wohnung ein. 

Nun ist Ea  der mächtigste Gott, weil ganz oben. Diese Geschichte verläuft ganz parallel zu der der griechischen Götter. Wie bei Zeus, der seinen Vater Chronos umgebracht hat.

Und Ea bekommt zusammen mit Dankina wieder einen Sohn: Marduk, der hat vier Augen und vier Ohren. Absolut vollkommen und seine Göttlichkeit einfach nur bemerkenswert.

Marduk schlägt dann im Kampf schließlich noch Tiamat, die Urgottheit, er ist ausgerüstet (wie Zeus) mit Feuer, Blitz und Sturm - und wird nun Gott über alle Götter, ob nun auf rechtmäßigem Weg oder nicht.

Es ist jetzt natürlich die Frage, ob es in Ordnung ist, die (Ur)großeltern zu töten, nur weil sie nicht im Sinne der (Ur)enkel funktionieren.

Auf jeden Fall gilt es jetzt als eine Tat des großen  Marduk, den Menschen geschaffen zu haben. 

Und auf  jeden Fall zerteilt Marduk Tiamats Körper - und erschafft daraus das Universum, wie wir es auch kennen. Aus einer Hälfte ihres Körpers wird der Himmel, aus der anderen Hälfte des Körper die Erde - quasi Universe Reloaded.

Ausgedacht hat sich das alles und noch viel mehr die babylonische Priesterschaft, die aus dem Herrschaftsanspruch des Marduk auch gleich ihren eigenen Herrschaftsanspruch über die umliegenden Städte ableitete.


Wer sich für das Poem interessiert: Unten ist es als pdf-Dokument zum Download bereit.