Kristin Lavranstochter

29.02.2020

Die Geschichte setzt nach dem Jahr 1306 ein. Sie handelt zunächst von dem jungen Paar Ragnfrid und Lavrans Björgulfsohn. Lavrans ist drei Jahre jünger als seine Ehefrau. Beide leiden sehr darunter, dass sie drei Söhne an den Kindstod verloren haben. Das ist bei Ragnfrid besonders schlimm, weil sie ohnehin unter Schwermut  leidet. Beide haben den Hof bei Oslo verlassen und sind ins Gudbrandstal gezogen. Beide sind sehr fromme Menschen, die sich ihrer Kirche sehr nahe fühlen. Sie besuchen regelmäßig die Gottesdienste. Nehmen gerne Pilger und sonstige Gottesleute bei sich auf.

Damit stehen sie im deutlichen Gegensatz zu den Leuten im Tal um sie herum. Die sind nämlich der Ansicht, dass die Kirche Gottes

(...) ihnen teuer genug zu stehen komme, an Zehenten, Waren und Geld (...)

Die beiden dürfen als wohlhabend gelten. Lavrans ist bald sehr beliebt bei den Leuten im Tal. Über Ragnfrid und ihre Erkrankung wird geredet, sie trifft vor allem auf Unverständnis.

Sie haben eine heißgeliebte kleine Tochter, die heißt Kristin. Dem kleinen Mädchen gehts sehr gut. Die allermeisten Erwachsenen wenden sich ihr sehr liebevoll zu. Schenken ihr was, schnitzen ihr was. Sie spielt auch mit Jungs und die Jungs mit ihr. Am allerliebsten spielen sie "Kirche", dazu gehört auch "Taufe", und das ein oder andere heidnische Ferkel wird auf diese Weise "christianisiert".

Als der Priester die Kinder einmal dabei erwischt, setzt es Prügel. Für Kristin genauso wie für die Jungs. Er neigt auch dazu, seine eigene Tochter deutlich zurechtzuweisen.

Moment, Tochter? Ist der evangelisch? Natürlich nicht, die Reformation breitete sich in Norwegen auch erst ab 1536 aus. Aber der Zölibat (abgeleitet vom lateinischen Wort "caelebs" = "ehelos") ist erst seit 1917 mit dem Codex Iuris Canonici wirklich Gesetz für katholische Geistliche.

Man merkt es schon, KRISTIN LAVRANSTOCHTER ist ein Roman, in dem die (katholische) Religion eine wichtige, wenn nicht die Hauptrolle spielt. Und Lavrans scheint ein wichtiger Mann zu sein, was Kirchenfragen betrifft. Auf einer Reise wird er sofort beim Bischof zum Mahl eingeladen - und muss sogar die geliebte Tochter dafür anderweitig betreuen lassen.

Für die kleine Kristin ist das mit der Kirche ganz normal. Ihr Priester, Sira Eirik, hatte

sie gelehrt, was die heiligen Worte auf Norwegisch bedeuteten, damit sie ihre Gedanken besser zu Gott lenken konnte, wenn sie in der Kirche war (...)

 genauso normal wie

daß im wilden Walde Wolf und Bär herrschten und daß unter jedem Stein Trolle und Kobolde und Elfen wohnten (...)

Außerdem wohnen überall dort auch sehr arme Leute, die es vor lauter Not mit dem Gesetz nicht so ernst nehmen können. Lavrans hat Verständnis dafür.

Wenn es den armen Mann (...) gelüstete, sich ein- oder zwei Kühe zu holen (...).

Das sehen die Bauern durchaus anders.

Lavrans und seine Familie leiden auf jeden Fall keine Not. Ihr Essen ist viel und gut:

Brot, Fladen, Butter, Käse, Speck, Rentierfleisch gedörrt, Kuhbrust, deutsches Bier und ein kleines Fäßchen Met ist dabei.

Kristin darf alles essen und trinken, auch den süßen Met und das deutsche Bier. Der Hanse sei Dank. Und wenn Lavrans nach Oslo reist, kann er ausländische Stoffe mitbringen, Feigen, Rosinen und Honigbrot.

Alles könnte sehr gut sein, wenn nicht auf einmal ein Thema in der Luft liegen würde:

Es geht um Erbfolge, Erbrecht, Bischofssitz und Königshof und darum, dass diese

(...) den Höfen so viele Arbeitskräfte entzögen.