Kleinermannsyndrom

01.09.2019



"Kleinermannsyndrom", meine Psychotherapeutin lächelt etwas angewidert, "das ist bekannt". Ich sollte ihr meine Probleme schildern mit der Erkrankung. Und ich hab vorne angefangen: Bei meiner Chirurgin, die selbst Rheumatikerin ist, meine geschilderten Symptome sofort verstanden und das richtige Labor angefordert hat; die Antikörper, die gefunden wurden, waren typisch für rheumatoide Arthritis. Bei meiner Hausärztin, die ebenfalls Rheumatikerin ist, die die Laborwerte ebenso ernstnahm, mich lange kennt - und sofort zum Hörer griff, um die Wartezeit auf eine Diagnose in der Rheumapraxis zu verkürzen, "Für ein halbes Jahr Warten haben wir keine Zeit".

So landete ich bei dem eher kleinen, rundliche Energie verströmenden Rheumatologen im Besprechungszimmer. Er fragte kurz dies und das ab - dann drückte er mir ein kopiertes Blatt in die Hand. "Sie haben Fibromyalgie, da kann man nichts tun. Wir untersuchen noch kurz mit Ultraschall, aber da wird das bestätigt."
Ich war zu krank zur Rebellion, viel zu kraftlos. Schon vorher, als er sich mitten in meiner Befragerei am Telefon zu einem wichtigeren Thema als meinem Anliegen äußerte: "Ja. Das ist gut. Der Mann ist Privatpatient. Wenn ihm Testosteron gut tut, wollen wir uns dem nicht verschließen. Ja. Das ist wichtig!"

Dieser Rheumatologe blieb bei seiner Meinung, verbaute mir damit zunächst den Weg in die Rheumaklinik. Verbreitete die Verunsicherung, die letztlich zu meinem Jobverlust führen sollte.
Als auch in seinem Labor sämtliche Werte auf rheumatoide Arthritis wiesen, kümmerte ihn das nicht. Er hatte dieses Labor nur zu "meinem Privatvergnügen" genommen, "damit Sie sehen, dass Sie nichts haben."
Für sein Verhalten gibt und gab es keine plausible Erklärung, außer der, dass er sich von "drei hysterischen Frauen" in seiner Rheumatologenehre gekränkt fühlt. "Was Rheuma ist, bestimme ich".

Vielen Dank für das tolle Foto an S. Hermann und F. Richter, die es auf Pixabay zur Verfügung gestellt haben.