Grazia Deledda | Das Geheimnis

31.01.2020


Zu Beginn ist da der zornige Bewohner 

des einsamen kleinen Hauses zwischen Strand und Heide (...).

Sein Name ist Christian, und er ist wirklich wütend, weil sich am Nachbargrundstück Männer zu schaffen machen, die das Grundstück ausmessen.

Das kleine Haus, in dem er wohnt, ist umgeben von einer schwarzen Hecke, hoch und undurchdringlich wie eine Mauer.

Das Ganze sah aus wie ein großer Korb voll Laub, aus dem das steile, rote Dach mit dem grauen First kaum herauslugte.

Deswegen wohl, versteht ein vorbeikommender Mann den offensichtlichen Ärger von Christian nicht:

Laß sie doch bauen

Was können sie dir schließlich anhaben  - in deinem Haus dort?

Aber Christian ist schlecht gelaunt. Nichtmal der kleine Kater kann ihn aufmuntern, der ihm beim Auspacken helfen will:

mit seinem Pfötchen, weich wie Samt, aus dem die kleinen Krallen verlangend hervorsahen (...)

Er schiebt ihn weg:

Merkst du denn nicht, dass du mir lästig bist? Daß ich von niemand mehr gestört sein will?

Der Mann sinnt nach über Bleiben oder 

Das Schwierigste ist das Fortgehen

Dann kommt Ghiana, die Bäuerin aus der Sennhütte. Ihr Mann heißt Alexander und verdingt sich als Knecht in Australien. Einen Korb hat sie dabei. Darin eine Flasche Milch, ein schwarzes Huhn mit rotem Kamm, ein Schock Eier (60 Stück) ...

Der Mann sieht die Frau an.

Auch der Kater schielte lüstern nach dem Huhn (...).

Die Alte schickt mich her (...)

sagt die Frau. 

Geh, bringe deinem Herrn die Sachen hier, Ghiana, und erkundige dich einmal nach dem Haus.

Die Frau 

nahm das Huhn aus dem Korb und wog es auf der Hand.

Da schreit er sie an

Was soll ich denn damit? Ich will es nicht!

Erschrocken spreizte das Huhn den einen Flügel und fiel schwerfällig in den Korb zurück.

Dann lasse ich eben nur die Milch hier und die Eier, (...)

und das Brot. das macht genau drei Franken.

Er nahm das Geld aus der Tasche. Während er es ihr mit der einen Hand gab, umklammerte er mit der anderen ihren Arm und zog sie auf die Kammer zu.

Als der Abend dämmert

(...) nestelte sie ihr Mieder wieder zu, strich das Haar glatt und sah dann mit einem Seufzer auf. Sie musste jetzt gehen.