Gestern im Impfzentrum

11.04.2021

Foto: Pixabay


Gestern wurde ich im Impfzentrum bei mir in der Stadt gegen Covid19 geimpft. Weil ich noch unter 60 Jahre alt bin bin, habe ich Comirnaty bekommen, das ist der Handelsname des in Deutschland erfundenen Impfstoffs von Biontech und Pfizer.

Warum konnte das schon passieren, Rheumatiker sind doch erst mit Priorität 3 dran, hier in Niedersachsen? Weil bei mir unter dem Rheuma (oder der Rheumabehandlung) eine bestimmte schwere Komplikation aufgetreten ist. Eine Alveolitis, das ist eine Entzündung der Lungenbläschen und des Interstitiums. Das Interstitium ist ein Zwischengewebe und durchzieht den gesamten Körper. Es versorgt und stützt die Organe - eben auch die Lunge. Seit dem Jahr 2018 nimmt man an, dass es sich dabei selbst um ein Organ handelt, dem Aufgaben bei der Immunabwehr und dem mechanischen Schutz der Organe zukommen.

impfportal-niedersachsen - Gründe für eine Impfung nach Priorität 2


Bei mir hat die Erkrankung etwa 25% der Lungenbläschen zerstört bzw. in ihrer Funktion eingeschränkt. Man besitzt ungefähr 300 Millionen Lungenbläschen - das entspricht ausgebreitet in etwa der Größe eines Tennisplatzes. Das heißt, ein Feld auf diesem Tennisplatz ist nicht mehr bespielbar - es könnte jetzt ein Doppel nur noch gegen einen Einzelspieler antreten.

Menschen mit so genannten interstitiellen Lungenerkrankungen gehören in die Priorität 2.

Wie war das nun im Impfzentrum? Am Eingang standen zwei Personen eines Sicherheitsdienstes - und teilten die Impflinge nach 1. und 2. Impfung ein. Es war ein ziemlich großer Andrang für Samstag um 8.45 Uhr, und ich musste ungefähr eine Viertelstunde warten, bis ich zur ersten Anmeldung konnte. Dort wurde Fieber gemessen - und meine Identität sowie mein Impfanspruch kontrolliert. Meine Ärztin hatte mir ein entsprechendes Attest ausgestellt, wonach bei mir eine "Erkrankung im Sinne des Paragrafen 3 der Impfverordnung" vorliegt, eben eine chronische Alveolitis. Mein Personalausweis war noch gültig!

Bei der zweiten Anmeldestation habe ich meine Unterlagen vorgezeigt. Das waren Fragebögen, die ich zu Hause ausgefüllt hatte, nach akuten Erkrankungen, Blutgerinnungsstörungen, ob ich in den letzten Tagen geimpft wurde, ob ich bei einer Impfung schon mal eine allergische Reaktion hatte usw. und natürlich die Bestätigung, dass ich in die Impfung einwillige.

Wer schon einmal das Problem hatte, nicht mehr einatmen zu können, so in einer Minute 40 oder mehr Einatemzüge probierte, wer dann über einen Strohhalm wieder ausatmen musste, um den Husten einigermaßen unter Kontrolle zu bringen, der diskutiert über diese Fragestellung gar nicht!

Danach traf ich auf einen Arzt. Nein, die Ärzt*innen impfen nicht, sie füllen Unterlagen aus und kleben den Sticker mit dem Medikamentennamen und der Chargennummer in den Impfpass - und sind offen für alle Fragen zur Impfung. Sie klären auch über eventuelle Nebenwirkungen und Impfreaktionen auf. Meiner ermahnte mich, bei Fieber über 39° und einer eventuell auftretenden Gesichtslähmung, sofort den Hausarzt zu informieren bzw. wegen des Wochenendes, selbstständig ein Krankenhaus aufzusuchen.

Habe ich versprochen - dann durfte ich eine Kabine weiter, wo ein sehr netter junger Johanniter schon auf mich wartete - um mir die Spritze zu setzen. Es muss eine sehr kleine Nadel gewesen sein, ich habe nämlich noch nicht einmal den Pieks gespürt.

Wenn das Impfen passiert ist, gibt man die Unterlagen abschließend ab, kann sich aber eine Kopie erstellen lassen. Hab ich gemacht.

Danach setzt man sich eine Viertelstunde in den Ruheraum. Dort läuft ein Film durch, der insgesamt eine Viertelstunde dauert. Wenn man etwas wiedererkennt, darf man selbstständig aufstehen und nach Hause gehen.

Das Impfzentrum ist eigentlich die Turnhalle des Gymnasiums, das ich besucht habe. Die Dame auf dem Bild ist meine Mutter im Ruheraum. Sie wurde schon vor Ostern geimpft - mit Moderna.


Mein Weg führte mich dann erstmal zum Öffentlichen Bücherschrank, der in unmittelbarer Nähe zum Impfzentrum liegt. Eine Belohnung muss ja schließlich sein! Ich habe aber kein Schätzchen nach Hause getragen.

Impfreaktionen? Mir tut ein bisschen die Einstichstelle weh - und ich habe in der Nacht fast 12  Stunden  geschlafen - wie bei einer schwereren Infektion. Kann aber auch dran liegen, dass ich in der Nacht vorher doch ziemlich aufgeregt war.