Gerüchte und Panik

04.03.2020


Bei der Totenwache kommt es zum Tumult. Inga, die Mutter des Toten hat die wahren Schuldigen ausgemacht: Kristin und ihre Familie:

Ja, ihr seid so wackere, vornehme Leute, ihr dort auf Jörundhof. - Du warst allzureich, du Lavrans Björgulfsohn, als daß mein Sohn daran zu denken wagte in Ehren um deine Tochter zu freien - sie selbst fand wohl auch, daß sie zu gut dazu sei, die Kristin. Aber sie war nicht zu gut dazu, ihm des Nachts auf der Landstraße nachzulaufen und mit ihm im Gebüsch zu spielen (...) Sie mit ihrer Liederlichkeit hat das verschuldet -.

Vater und Bräutigam rufen die Mutter des Toten zur Ruhe. Die kann sich aber nicht beruhigen und behauptet weiter:

Ja, nimm mein Leben, du Lavrans, der mir all meinen Trost und meine Freude genommen hat - und richte ihre Hochzeit mit diesem Ritterssohn aus, aber die Leute wissen doch, dass sie auf der Landstraße Benteins Weib wurde (...)

Kristin macht darauf - bewusst oder unbewusst - die Feuerprobe: Sie hält ihre Hand über die Flamme der Kerze neben sich. Wenn die Beschuldigte unschuldig ist, bleibt ihre Haut unversehrt, sagt die irre Hexen-Regel.

Es sah aus, als ducke sich die Flamme und weiche zur Seite - Kristin fühlte alle Augen auf sich gerichtet - es dünkte sie, dies wäre eine lange Zeit. Da verspürte sie plötzlich einen brennenden Schmerz in der Handfläche (...)

Der anwesende Priester ruft,

es dürfte niemand diese Probe anrechnen, so könne man Gott nicht zum Zeugnis reizen -

Bräutigam und Vater kommen überein, dass es nun besser ist, Kristin, die auch sehr am Tod ihres Kindheitsfreundes und Ziehbruders leidet, für ein Jahr aus dieser Gerüchteküche wegzubringen. So lange soll sie ins Kloster, bis sich der Staub gelegt hat. 

Der Bräutigam findet es auch gut, dass sie einmal das wahre Leben kennen lernen soll:

Dies dünkt mich der beste Rat, lieber Schwiegervater. Gib sie ein Jahr zu den Schwestern in Oslo - da mag sie denn lernen, wie die Leute draußen in der Welt über einander reden. Ich kenne ein paar von den Jungfrauen, die dort sind, sagte er und lachte. Die würden sich nicht hinlegen und sterben vor Kummer darüber, daß zwei närrische Burschen sich um ihretwegen totschlagen. Nicht, daß ich eine solche zur Frau haben möchte - aber ich glaube nicht, daß es Kristin zum Schaden gereichen würde, neue Menschen zu sehen.

Es kommt so. Kristin rutscht im Kloster dann auch direkt ins nächste Abenteuer. Sie braucht nämlich bessere Schuhe - und geht mit der Mitschwester Ingebjörg Filippustochter

Sie war nicht groß und viel zu dick, besonders im Gesicht - ihre Augen waren ganz klein, so dicke Wangen hatte sie (...)

angeführt von einem Aufpasser - zum Schuhkauf beim deutschen Schuster. Dort drängen sie einen Mann ab, weil sie zum Gebet rechtzeitig zurück sein müssen. Nach dem Handel - bar bezahlt von Kristin, auf Kredit gekauft von Ingebjörg -geraten sie in eine Paniksituation auf dem Markt. Denn das Gerücht im Ort sagte,

 es sei ein ganzes Schiff voll ausländischer Tiere angekommen, die unten am Strande in Buden gezeigt würden.

Und nun heißt es, zwei Panther seien ausgebrochen, vielleicht auch eine Schlange. Die beiden Mädchen werden von der Menge abgedrängt, von ihrem Aufpasser getrennt.

Ingebjörg hat fürchterliche Angst, Kristin nicht, denn sie hat den Grund für die Panik bisher nicht mit eigenen Augen gesehen. Ingebjörg rennt los

Kristin hätte nie gedacht, dass die andere so laufen könne - sie musste an ein gejagtes Schwein denken, (...).

Sie gelangen so in ein Waldstück mit Pfad, wohl in Richtung des Klosters. Sie kommen an einem Hof vorbei und bitten dort die Männer, sie durch den Wald zu begleiten. Es stellt sich raus, dass das Rostocker sind. Sie werden die Schwestern begleiten, auf den falschen Weg bringen und dann noch Kuss und Beutel fordern.

Da haben sie aber nicht mit Kristin gerechnet:

Da schlug sie den Mann mit einem Geldbeutel ins Gesicht, so daß er wankte, gab ihm einen Stoß vor die Brust, daß er über den Weg und ein gutes Stück den Hang hinunter taumelte.

Zum Glück kommen dann Reiter herangesprengt und retten die Schwestern. Unter den Reitern der Mann, den sie beim deutschen Schuster abgedrängt hatten.