Der Medicus - Ascher Rubin

11.01.2020

Die Zeit: 1757
Der Ort: Lemberg


... oder vielmehr Ascher ben Lewi, wie sein Name eigentlich ist. Aber Namen sind Schall und Rauch.

Seinen Namen wird schließlich jeder nur für eine Weile tragen.

Ein Jude ist er, Sohn eines Kabbalisten, stammt aus Litauen, ist ein in Italien ausgebildeter Arzt.

Er hatte uns zu Anfang des Romans darauf vorbereitet, dass es zwei Gruppen von Juden gibt, die Talmudtreuen und die Häretiker. Wie das alles zusammenhängt, wissen wir ja inzwischen.

Der Medicus hält die Verbindung zur sich aufklärenden Welt. Nicht nur hatte er die Sache mit dem Blitzableiter verstanden, er befasste sich auch mit den bereits im Jahr 1642 veröffentlichten Untersuchungen zur Zusammensetzung des Lichts, die ein gewisser Isaac Newton durchgeführt hat. Dieses naturwissenschaftliche Verständnis ermöglichte es ihm, im Jahr 1757 bereits seit vier Jahren als Augenarzt in Lemberg tätig zu sein. Auch wenn er sein Studium in Italien aus Gesundheitsgründen nicht zum Abschluss gebracht hat.

Als wir ihn kennenlernten, war er 35 Jahre alt und "der Ehe entgangen". In Rohatyn hatte er sich gefangen gefühlt,  wie "ein Insekt im Bernstein".

Er war es, der den bedeutungsschweren Satz sagte, der immer schon Bestand hatte und dies vermutlich bis in alle Ewigkeit haben wird

 Die Dummheit der Menschen bringt die Trauer in die Welt.

Ascher Rubin ist ein Grübler geblieben. Besonders zu schaffen macht ihm 

Der Menschen Bedürfnis, sich besser zu fühlen als andere

Wer sie auch sind, stets brauchen sie jemanden, der unter ihnen steht.

In der vergangenen Zeit hatte ihn darüber hinaus das große Erdbeben von Lissabon im Jahr 1755 beschäftigt, eine der größten Naturkatastrophen der europäischen Geschichte:

Von Leichenstapeln ist die Rede

in den illustrierten Broschüren, die er bezieht, und die lange benötigen für den Weg bis nach Lemberg. Um sich die ungeheure Menge von Toten vorstellen zu können, führte er sich die Menge aller Bürger von Lemberg plus der Dörfer und der kleinen Städte ringsherum vor Augen. Alle Bürger! Christen wie Juden, Ruthenen und Armenier, Frauen, Männer, Kinder. Wie viele sind einhunderttausend? Doch dann dachte er an Chmelnyzkyjs abertausende Opfer beim Kosakenaufstand 1648. So viele Tote sind in Polen so ungewöhnlich nicht.

Und doch, das so zu sehen, auf einem Stich, ist nochmal etwas anderes, als es sich nur vorzustellen.... 

In Aschers Haus wird ein Kind geboren. Die Mutter ist eine ungewöhnliche Frau. Sie behauptet von sich, sie sei die Urenkelin eines polnischen Königs. Vom Vater, dem Schreiber Pinkas, sei sie aufgefunden worden auf einem Bett aus Schwanenflaum und eine Schwanenmutter habe sie mit Milch genährt. Diese Geschichte hatte auch Jakob Frank schwer beeindruckt. Diese Frau, Gitla, hatte ihn auf seinen Wanderungen beschützt wie eine Leibwache. Nie war er ohne sie zu sehen gewesen. 

Gott hatte sie ihm zum Schutz gegeben

Wie eine Löwin wachte sie an seiner Seite. 

Nun ist sie heimatlos.