Der Maler

01.04.2020


Die Geschichte beginnt um die Jahrhundertwende im ländlichen Pennsylvania. Es ist Frühsommer, mittags, und William Barton, ein eher unfleißiger Künstler, der von Beruf eigentlich Sohn ist, hat noch nichts gemalt. Er zieht mit Staffelei und Malkoffer durch die Gegend - und findet das für ihn passende Motiv nicht.

Nach einem langjährigen Aufenthalt im alten Europa, genauer in Paris, hat es ihn in die amerikanische Heimat zurückverschlagen. Eigentlich stammt er aus Philadelphia, aber sein Vater "hat eine Eisenbahn", so dass ihn die Billets nichts kosten und er nach Herzenslust im Zug unterwegs sein kann.

Er verspürt nun Hunger und lädt sich selbst auf eine der Farmen in der Umgebung ein, weil er ein hübsches Mädchen erblickt hat, das zum Mittag läutete.

Seine Idee von Landarbeit - von Arbeit überhaupt - ist ziemlich romantisch - und so stellt er sich - kaum im Haus angekommen schon vor, wie seine Eltern reagieren werden, wenn er beim Dinner von diesem Dorfabenteuer berichten wird. "Reizend" wird es heißen und "ganz europäisch", wie sie in der Küche am einfachen Esstisch zusammenkommen, um ein Hühnchen zu verzehren.

Er liebte einfache Leute; sie gaben ihm die Möglichkeit, er selbst zu sein.

Das steinerne Farmhaus der Familie Harnsbarger existiert bereits in der vierten Generation, erfährt er. Und der Farmer geht davon aus, dass es auch in der 5. Generation die Zeit überdauern wird.

William Barton hat nun selbstverständlich sein Motiv gefunden: Das hübsche Mädchen soll es sein, er will Ruth im einfachen Hauskleid bei der Hausarbeit malen.

Ich stelle mir hier ein typisches Bild des aus Paris eingeführten "Amerikanischen Impressionismus" vor. Der junge Mann ist sicher durch den Louvre geschlendert, vielleicht hat er - die Sommerfrische suchend - auch einen Ausflug nach Giverny gemacht und einen Blick auf Monets Seerosen geworfen.

Doch seine Eltern sehen in ihm noch keinen Star am amerikanischen Kunstmarkt, auch wenn eine Ausstellung seiner Werke in New York bevorsteht. Die Mutter, vor der er Angst hat, mutmaßt, dass er eine Ansichtspostkarte gemalt hat. Der Vater geht ohnehin davon aus, dass man in Amerika gar nichts malen kann, denn

Die Landschaft hat keine Tiefe. Die Menschen leben noch nicht lange genug hier.

Wieder zurück im elterlichen Haus mit Diener dreht sich die Diskussion dann aber - bei Ente - um diese neuen "pferdelosen Fahrzeuge", denen vor allem die Mutter keinerlei Zuverlässigkeit zutraut. So kommt William mit seiner Geschichte gar nicht richtig zum Zug. Am Tisch sitzen nämlich auch noch seine Schwester Louise, ebenfalls eine studierte Malerin, die gerade von ihrer Hochzeitsreise nach Venedig zurückgekehrt ist, und ihr Mann Monty.  Sie hat bereits die Bombe im Gepäck: denn es hat sich herausgestellt, dass ihr Gatte  - entgegen den Erkundigungen - ein armer Schlucker ist. Jemand hatte ihm für teures Geld wertlose Diamantminen ohne Diamanten verkauft. Aber am Tisch ist davon noch nicht die Rede.