Der Fuchs - Conclusio und Schluss

27.02.2020

Ich hab diesen Roman wirklich genossen. Er passt so gut in diese Zeit der Weltuntergangsängste. Jeden Tag vermelden die Medien eine neue Bedrohung. Kalbende Gletscher. Gefährliche Viren. Wirre Rechte, die entscheiden wollen, wer lebenswert ist und wer nicht.

Ich selber stelle fest, ich lebe in einer Gesellschaft die das Zuhören verlernt hat, sich lieber in die eigene Blase begibt und dort mit der eigenen Meinung zufrieden ist. In einer Gesellschaft lebe ich, die unter Hinsehen das Starren auf ein Mobiltelefon versteht.

DER FUCHS berichtet von einer Gruppe von Kindern, die alle erschöpft sind. Erschöpft von der Prügel. Erschöpft vom behinderten Bruder. Erschöpft vom Anderssein. Erschöpft durch überforderte oder zu früh verstorbene Mütter und Väter. Kreidebleich sind sie, spindeldürr, haben Tics und Traumata. Und das alles nicht in einer Großstadt, sondern im Kaff Thule in Nordfriesland.

Nichts weist darauf hin, dass Thule eine Art Vorhof der Hölle sein könnte. Nichts, außer den alten Hochwassermarken und den überdurchschnittlich vielen Morden für so einen kleinen Ort.

Doch Thule ist der Ort, der zuerst absäuft. 

Wie es zu all dem kommen konnte, ist komplex. Alles spielt eine Rolle: Die Urmutter Tiamat, ihr Gatte Abzu.  Beider Urenkel Marduk, in der Bibel Gegenspieler des Gottes JHWH, üblicherweise der Teufel genannt, auch Bal oder Bel. 

Im Roman ist er Gegenspieler der Einwohner Thules - ob real oder nur in den finsteren Träumen und düsteren Wahnvorstellungen bleibt ungeklärt. 

Große und kleine Fehler spielen eine Rolle.

Der Mensch, der vielleicht aus der Ur-Suppe entstand, kehrt logischerweise wieder dorthin zurück. Logik spielt überhaupt eine große Rolle im Roman: Schach, Möbiusband, Mathematik.

Wie häufig unter dem norddeutschen Himmel ist es gar nicht auszumachen, wo der Nebel aufhört, der Himmel, das Meer anfängt, der Strand beginnt. Alles eine dicke Suppe. Da braucht es dringend Logik, um nicht verloren zu gehen.

Es geht opulent zu im Roman, das ganze Repertoire der Phantasie wird über dem Lesenden ausgeschüttet - bis hin zum Splatter. Da spritzt es wirklich mal durch alle Körperöffnungen - und es wird auch kräftig gewühlt in den Eingeweiden.

Für ganz zart besaitete Seelen ist das nichts. Wer sich aber schon mal an der Realität ausprobieren musste, der wird was von sich wiederfinden.

Wie schon gesagt, ich habe den Roman gemocht. Es gibt allerdings ein paar Längen - gerade da, wo es um Marduk geht. Aber letztlich ist der ja vielen von uns noch unbekannter als JHWH und der im Roman unglücklicherweise zu früh verstorbene Zeus.

Leseempfehlung. Jetzt noch schnell, bevor die Welt echt untergeht.