D.B. John: Stern des Nordens

14.09.2019

REZENSION: {Unbeauftragte Werbung}

D.B. John: Stern des Nordens

(Im Original: Star of the North. Übersetzt aus dem Englischen von Sabine Längsfeld und Karen Witthuhn.)

Wenn man dieser Tage den Begriff "Nordkorea" in eine News-Suchmaschine eingibt, spuckt sie unterschiedliche Berichte über Raketentests aus, darüber hinaus auch Informationen zur Beziehung der beiden vielleicht skurrilsten Machthaber der Welt: Kim Jong-un und Donald Trump.

Beim Lesen des Romans fiel mir auch die Geschichte des amerikanischen Studenten Otto Warmbier wieder ein, der bei einem nichtigen Diebstahl in Nordkorea erwischt wurde und seinen Eltern nur noch als kurzfristig lebende Leiche übergeben werden konnte.

In dem Thriller "Stern des Nordens" verwebt der Autor D.B. John Raketentests, Chemiewaffen, Entführungen, ein Fortpflanzungsprogramm und Lagerfolter mit den Lebensgeschichten dreier Menschen. Darunter der treue Parteisoldat und Angehörige des engsten Kreises rund um den "Geliebten Führer", Cho sang-ho.

Es ist das Jahr 2010, der amerikanische Präsident heißt Barack Obama, seine Verteidigungsministerin ist Hillary Clinton. Der nordkoreanische Machthaber ist der Vater des heute amtierenden "Obersten Führers". Im Roman wird er sterben, im realen Leben hat er als kranker Greis noch ein Jahr zu leben.

"In Wahrheit war es ja unser Geliebter Führer Kim Jong-il, der das Doppelbrötchen mit Fleisch erfunden hat". Sagt der hohe Parteifunktionär Oberst Cho, ausgerechnet bei einem diplomatischen Essen in New York, zu dem die nordkoreanische Delegation von den Amerikanern eingeladen ist. Er meint es nicht als Witz: Oberst Cho liegt ganz auf der Linie des nordkoreanischen Machthabers und den von ihm verbreiteten Weisheiten.

Ganz anders sind die beiden Protagonistinnen des Romans gestrickt: Da ist die Hochschullehrerin Jenna, die ihre Zwillingsschwester an das nordkoreanische Land verloren hat, und Frau Moon, die sich mit dem mörderischen System streitet, seit eine ihrer bäuerischen Mithändlerinnen auf dem Markt festgenommen wurde.

Ich bin nicht unbedingt Anhängerin von Politthrillern, schon deswegen nicht, weil ich üblicherweise die Zusammenhänge nicht verstehe. In diesem Thriller geht es aber um die besondere Kraft der Mutterliebe und um die Tatsache, das jedes noch so rigide politische System in dem Augenblick die Macht über seine Bürger verliert, in dem es ihnen alles genommen hat, was ihnen lieb und wert ist.

Weil der Journalist D. B. John eine zeitlang in Nordkorea leben durfte, gewährt der Roman tiefere Einblicke in ein Land, das so abgeschottet ist, wie kaum ein anderes auf der Welt. Dass beispielsweise Überprüfungen in Privathäusern stattfinden, ob die Bilder der nordkoreanischen Führer auch ordnungsgemäß entstaubt sind, ist drastischer als ich es mir vorgestellt hätte. Von öffentlichen Hinrichtungen ganz zu schweigen.

Da ist es zu verschmerzen, dass der Autor es bei den Actionszenen ein bisschen zu sehr thrillern lässt (manchmal hatte ich das Gefühl, es sei eher Harry Hole als Oberst Cho unterwegs) und die Amerikaner und damit der freie Westen doch ein wenig zu blauäugig-positiv gezeichnet werden.

Wer abtauchen möchte in eine gänzlich andere Welt, dem sei dieser Thriller ans Herz gelegt.