Cosima wird berühmt

23.02.2020

Drei Ausgaben von L'Ultima Moda 


Zuerst waren da die illustrierten Zeitschriften, L'ULTIMA MODA. 

Wie diese

(...) ihren Weg zu Cosima hatten finden können, das wußte sie selbst nicht genau (...).

Und es muss eine Art Wunder gewesen sein. Jedenfalls hatte sich damals in Rom,  als Nachfolger eines aristokratischen Verlegers, ein ehemaliger Drucker als "volksnaher Herausgeber" niedergelassen. Auf den Ausgaben oben kann man sehen, dass es sich um das Verlagshaus von Edoardo Perino gehandelt hat, der Name des Nachfolgers ist Giggi Zanazzo. 

(...) der neben allerhand geschmacklosen, auch ein paar recht gute Zeitschriften verlegte, fast schöngeistige Ausgaben.

Auf den letzten Seiten erschien immer eine Erzählung, die wirklich gut geschrieben war, ein Mann mit Geschmack, er selbst war Dichter und damals ein anerkannter Literat.

Ihr erster Text wird genommen - und sie wird aufgefordert, mehr nachzureichen. Das ist toll, hat aber eine üble Kehrseite:

(...) dann konnte ja schließlich das ganze Dorf auf die Nachricht, daß ihr Name abgedruckt unter zwei Spalten harmloser Dialektprosa stehe und daß sie - was noch gefährlicher war - von gewagten Abenteuern spreche, einstimmig und unversöhnlich nur mit Abscheu reagieren.

Und schon tauchten auch die Tanten wieder auf, diese beiden alten Jungfern. Lesen konnten sie nicht, doch verbrannten sie alle Blätter, auf denen diese sündhaften Menschen und diese verfluchten Frauen abgebildet waren.

Dann kommen erstmal die Ferien und der D'Annunziogleiche Antonino kommt wieder ins Haus. Und jetzt hat die unschuldig in ihn verliebte Cosima Angst, dass er etwas davon erfahren könnte

(...)

daß jetzt auch sie eine Schriftstellerin geworden war und berühmt werden wollte.

Aber er sagt nichts. Die beiden schleichen dann ein bisschen umeinander. Und letztlich wendet sich Cosima erstmal wieder dem zu, was sie noch lieber hat als Antonino:

Sie schreibt. Über ihr Heft gebeugt, während die Schwestern die Mutter ablenken (...), schwingt sie sich auf ins Reich der Phantasie und schreibt und schreibt, aus einem körperlichen Bedürfnis heraus (...)

Auch sie denkt sich beim Schreiben Liebesabenteuer aus. Und in ihrer Geschichte ist sie die Heldin, die Welt ist ihre Welt, das Leben der Figuren, ihre Naivität, ihre unschuldigen Narreteien - das alles ist sie. Das Buch darf keinen anderen Titel tragen als "Wilde Rose".

Und sie schreibt  dem Verleger von der Fertigstellung des ersten Romans und soll darauf das Manuskript schicken. Dafür muss sie zu Hause Öl stehlen und es verkaufen, damit sie sich das Einwickelpapier und das Porto leisten kann. 

Dann bekommt sie den Korrekturabzug zurück - und weiß gar nicht, was das ist und was das soll - und verwahrt den erstmal gut.

Erst der verärgerte Brief des Verlegers lässt sie dann endlich zum Wörterbuch greifen - und die "vielen Druckfehler" verbessern. Und für das Verbessern erfindet sie eine völlig neue Methode: nicht ordentlich am Rand, sondern im Text, was dann das Herz des Druckers gewiss sehr erfreut hat.

Der Verleger entschloss sich daher, die restlichen Druckfahnen nicht mehr der Schriftstellerin zurückzuschicken.

Das Buch wird zum echten Erfolg!

Junge Mädchen lasen es und fanden sich darin wieder mit ihren Gefühlen und Verliebtheiten (...)

Der Verleger schickte ihr 100 Exemplare ihres Buches, der ganze Lohn für ihr Werk 

(...).

Um Gotteslohn, wie eigentlich häufig für die Arbeit, die Frauen so leisten.

Das dicke Paket schlug aber mindestens zu Hause ein wie eine Bombe:

Die Mutter misstrauisch drumrumschleichend, der Bruder befürchtend, dass die Schwester jetzt keinen Mann mehr abbekommt. Nicht mal der Verwandte mit Friseursalon (den kennen wir aus dem Reisetagebuch von D.H. Lawrence - Salon Deledda), wo er zusätzlich Zeitschriften und Zeitungen verkauft, war bereit, das Buch in Kommission zu nehmen.

(...) alle wandten sich plötzlich gegen das junge Mädchen, die unglaublichsten Unterstellungen und frei erfundenen Prophezeiungen türmten sich vor ihr auf wie ein Scheiterhaufen.

Und dann geht auch noch der Brief eines Kritikers ein:

(...) alles wurde hier zerrissen! Und zwar nicht vordergründig oder spitzfindig, sondern äußerst gründlich und messerscharf.

Alles in Stücke gelegt, die - so schloß der Kritiker - gerade gut genug seien, um damit den Ofen anzuzünden (...).

Das heißt für Cosima:

Dreh um, kehre zurück zum Strickstrumpf, da wachse heran, warte da auf den guten Ehemann, da bereite dich vor auf das kommende Leben, in der heilen Welt reiner Familienfreuden, auf deine Mutterschaft.

Und Cosima weint. Vor Wut. Vor lauter Demütigung.

Sie zerreißt das Blatt, das sie verurteilt und gestraft hat, und nimmt die Strick- und Küchenarbeit wieder auf (...).