Aus dem Jankel wird was

02.01.2020

Zeit: 1754

Ort: Rohatyn


"Ein Prophet kann keiner der Unseren sein, etwas Fremdes muss er an sich haben - aus fremden Landen kommen, gänzlich unverhofft und seltsam anmuten muss sein Gebaren. Ein Geheimnis sollte ihn umwittern (...)".

Auch 80 Jahre nach dem Tod des vermeintlichen Messias schwelt die Idee des Großen Retters noch in den gequälten Seelen der polnischen Juden. Als Rabbi Schor Bilanz zieht, fällt diese verheerend aus:

"Wir dürfen kein Land erwerben, dürfen uns nicht niederlassen. Vertrieben werden wir in alle Himmelsrichtungen, jeder Generation widerfährt ein Unheil (...)".

"Niemand ist mehr da. Gott schuf die Welt und hauchte vor Erschöpfung sein Leben aus".

In dieser Situation wird ein starker Mann gesucht, der aussieht wie ein Schwächling, aber ohne Furcht ist. Der sie herausführt - nicht nur nach Eretz Israel, dem Land Israel der Bibel, sondern gleich in die ganze Welt. So kommt es, dass Rabbi Schor zu Rabbi Nachman sagt: Hol ihn her zu uns. Diesen Jakob.

Dieser Jakob, eigentlich ist er Jankel Lejbowicz. Als Kind hatte er die Blattern, die sein Gesicht zerfurchten. Die anderen Kinder nervte er, dachte sich Geschichten aus. "Dort in der Höhle da drüben, in der Abraham und Sara tot liegen, da bin ich geboren." Sein größtes Problem auf dem Weg zum Propheten aber ist seine Herkunft. Die Rohatyner Juden sind sich unsicher, wer sein Vater war. Ein Rabbi? Oder nur einer, der die Kinder das Schreiben gelehrt hat? Nein, einer von denen war er, die bei den Bauern den Zehnten eintrieben, ab und zu auch von den Bauern verprügelt wurden. Einer, der vertrieben wurde.


Da ist es gut, dass Nachman Mittel und Wege kennt, dem Schicksal ins Rad zu greifen. Wenn der Vater nicht taugt, muss eben ein vernünftiger Schwiegervater herhalten. So wird Jankel im fernen Smyrna gut verheiratet. Er ist noch keine dreißig Jahre, da nennt man ihn schon den "Weisen Jakob". Frauen und Männer sind gleichsam von ihm ergriffen, Frauen und Männer lädt er in sein Bett. Das dieser Jankel Leijbowicz etwas Besonderes ist, lässt er auch durch seinen neuen Namen merken: Jakob Frank. Frank wie frenk. Frank wie fremd. Frank, so heißen die Juden aus dem Westen.